Zeit

Fr, 28. Oktober 2016 - 19 Uhr

Ort

Motoki-Raum, Stammstr. 32, 50823 Köln

Eintritt

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Neue Agrarfront in Brasilien


mit Mario Schenk

Die brasilianische Regierung will neue Gebiete für die Agroindustrie freigeben und große Flächen in Soja- und Maisplantagen verwandeln, obwohl das Land bewohnt und bearbeitet wird.

Im Jahr 2015 ist im Norden Brasiliens eine Region doppelt so groß wie Deutschland zur neuen Agrarfront ausgerufen worden – die Region Matopiba. Das Gebiet soll landwirtschaftlich „entwickelt" und von dort der Weltmarkt mit Soja, Mais und Baumwolle versorgt werden. Dazu soll die weltweit einzigartige brasilianische Savanne „umgewandelt" werden. Umweltschützer sprechen von einem Kahlschlag mit drastischen Folgen für die Städte im Süden, denen zunehmend die Niederschläge auszubleiben drohen.

Der Staat plant diese Agrarfront mit dem Bau von Häfen und Bahnlinien zum Abtransport der Soja nach Übersee zu unterstützen. Dies mag nicht verwunderlich sein, ist doch Agrarminister Blairo Maggi selbst Brasiliens größter Sojaproduzent. Jedoch tauchen in den Plänen der Regierung die Millionen ansässiger Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nicht auf.

Durch die Ausweitung der agrarindustriellen Produktion kommt es massenhaft zu Vertreibungen der lokalen Bevölkerung durch den Einsatz von Pestiziden, Bedrohung und Landraub. Von drei exemplarischen Fällen von Vertreibung wird auf der Veranstaltung ebenso berichtet wie von zwei Formen des Widerstands durch NGOs.

Das „Entwicklungsprojekt" Matopia stammt derweil aus der Zeit der linksgeführten Regierung unter Dilma Rousseff (PT) und steht beispielhaft dafür, wie die PT unter Rousseff ihre Basis und Rückhalt auf dem Land verlor. Ein wesentlicher Grund dafür, weshalb sie den parlamentarischen Putsch im vergangenen August politisch nicht überlebte.

Referent: Mario Schenk ist Journalist und Wissenschaftler im Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin und forscht derzeit zur Agrarfrage in Brasilien.

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