STIMMEN AFRIKAS - Vom Tahrir Platz zur Plaza de Mayo und weiter. Wie öffentlich ist die Politik der Zukunft?

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Diskussion mit AktivistInnen u.a. aus Kairo und Madrid

So, 1. Juli 2012 - 13 Uhr

Rautenstrauch-Joest-Museum

Eintritt frei

Es begann mit einer erschreckenden Einzelaktion: Im tunesischen Sidi Bou Sid verbrennt sich im Dezember 2010 Mohamed Bouazizi aus Wut und Verzweiflung über die Grausamkeit des Machtapparats und seine aussichtslose Lebenssituation. Die Bedingungen und Gefühle, die ihn trieben, werden global geteilt, und so konnte die Einzelaktion in Tunesien und in weiteren Ländern Volksaufstände hervorrufen, die mehrere Regierungen zu Fall brachten. Es dauerte nicht lange, da erreichten die Forderungen nach Teilhabe und Transparenz, aus der Peripherie der Wohlstandswelt kommend, auch als wohlhabend geltende Länder wie Israel, Spanien und zuletzt sogar die USA.

Schon mit der Revolution in Ägypten wurde eine überraschende und neue politische Kultur geboren: Nicht allein, dass Neue Medien und Mobilfunktechnologie eine wichtige Rolle spielten, sondern die Revolutionäre aller Couleur setzten sich auf dem zentralen Tahrir Platz in Kairo fest und formten ihn zu einer hoch politisierten basisdemokratischen Gegenwelt zur bestehenden Diktatur. Dieses Modell fand schnell Widerhall in weltweiten Platzbesetzungen, die "Revolution" als unideologischen Begriff verstehen möchten. Die zentralen Forderungen an die Mächtigen nach Teilhabe und Transparenz sollten auf den Plätzen real umgesetzt werden. Als schließlich der Zuccotti Park in New York unter dem Begriff "Occupy Wall Street" besetzt wurde, war auch ein Begriff für die neue Bewegung geboren. Was zuvor als "Arabischer Frühling" und als "Arabellion" regional begrenzt schien, wurde nun zur weltweiten "Occupy-Bewegung".

Welche Symbolkraft strahlen diese Plätze aus, dass sie in ganz verschiedenen Kulturen zu den Orten werden, an denen sich politische Zukunft entscheidet? Woher dieses enorme Potenzial des am Gemeinwohl orientierten Handelns wo eine fast ungehinderte zwanzigjährige Dominanz neoliberalen Denkens genau dies zu desavouieren sucht? Ist dieses neue politische Ethos in lokalen Traditionen verankert oder eine positive Globalisierungsfolge? Was kann die im Westen in bürokratischem Parlamentarismus erstarrte Demokratie daraus lernen?

Diese und andere Fragen sollen in einer Veranstaltung, die mehr einer Asamblea als einer Podiumsdiskussion ähnelt, mit AktivistInnen u.a. aus Kairo und Madrid debattiert werden.

Moderiert wird die Veranstaltung von Achim Schmitz-Forte.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Barth-Gesellschaft.

 

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Eine Veranstaltung des Projekts "Stimmen Afrikas"