ERINNERN UND HANDELN FÜR DIE MENSCHENRECHTE - Räume und Grenzen: Westafrikanische Illegalisierte in Frankreich
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Fr, 15. Juni 2012 - 20 UhrVortrag und Diskussion mit Dr. Kerstin Hadjer Eintritt € 3,- |
Der Vortrag analysiert die Auswirkungen der restriktiven europäischen Immigrationspolitik auf Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere mit Fokus auf die alltägliche Lebenssituation westafrikanischer Sans Papiers in Frankreich.
Die Lebenssituation von Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere ist in Frankreich und Deutschland unterschiedlich. In beiden Ländern waltet eine restriktive europäische Migrationspolitik. Doch während in Deutschland ein Heraustreten aus dem Schattendasein eng an die unmittelbare Gefahr einer Abschiebung gekoppelt ist, haben die Sans Papiers („Ohne Papiere“) in Frankreich eine andere Geschichte geschrieben.
Mit der Besetzung der Kirche Saint-Ambroise 1996 begann ein langjähriger kollektiver Protest, der öffentlich den laizistischen Ruf nach Regularisierungen beinhaltet und sich aktiv Abschiebungen entgegen stellt. Die Grundpfeiler der Republik (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) sind dabei ein fester Bezugspunkt für die proklamierte Selbst-Legitimation der Sans Papiers. Seither durchlebte der Protest verschiedene Phasen und seit 2007 verstehen sich die Sans Papiers zunehmend als Arbeiter und Arbeiterinnen. Viele zahlen Steuern und unterschreiben Arbeitsverträge. Gleichzeitig gibt es für sie keine soziale Absicherung.
Eine treibende Kraft dieser Bewegung waren und sind westafrikanische Migranten, die seit den 1960er Jahren in staatlich eingerichteten Wohnheimen (foyers) in enger Gemeinschaft zusammenleben. Der Vortrag liefert Einblicke in die komplexe Organisation dieser Wohngemeinschaften. Im Fokus stehen dabei Auswirkungen der Sans-Papier Problematik auf den Alltag in den foyers, die über enge transnationale Netzwerke bis in die Heimatländer reichen. Zur Diskussion steht zudem ein Vergleich mit der Lebenssituation westafrikanischer Illegalisierter in Deutschland, deren Solidaritätsnetzwerke kaum über kollektive Wohnstätten verankert sind.
Die Westafrika-Spezialistin Dr. Kerstin Hadjer ist Ethnologin an der Universität Köln und referiert auf Grundlage eigener Forschungsergebnisse.
Eine Veranstaltung des Projekts "Erinnern und Handeln für die Menschenrechte"

