Jahresbericht 2011

Entgegen unseren gedämpften Erwartungen und Sorgen zu Beginn des Jahres hat sich die inhaltliche Qualität unserer Arbeit, die Zusammenarbeit im Team und auch die allgemeine Situation des Hauses ganz entscheidend zum Besseren hingewendet. Nicht nur konnte sich der Verein aus einer bedrohlichen finanziellen Misere befreien und damit auch aus einer gewissen gedanklichen Enge, sondern wir haben auch die unsichere Personalsituation Mitte des Jahres gemeistert.

Mit unseren neuen sehr engagierten hauptamtlichen MitarbeiterInnen Julia Paffenholz und Christian Nehls, die Anne Walkenbach im Erziehungsurlaub vertreten, Christa Morgenrath und Eva Werneke als Honorarkräfte, Brigitte Lang und ihr Bürgerfunkteam, Dörte Mälzer und ihre Praktikanten in der Sozialberatung, Adnan Keskin und seine Unterstützer im Menschenrechtsprojekt, Bettina Zimmermann als sehr beliebte Sprachdozentin, Trude Menrath, Jaime Rodriguez, Felipe Benavente und Regine Bree, die z. T. auch ehrenamtlich unser Kursangebot aufrecht halten, Kai Böllert als ehrenamtlichen IT-Administrator, unsere ehrenamtlichen Vorständler Ulla Goebel und Sophie Hennis, verantwortungsvolle Mitgestalter wie Ralf Berger und Barbara Fischer mit unzähligen PraktikantInnen, Integrationsjobbern und Helferchen, haben wir es gemeinsam vollbracht, dass wir gestärkt das Jahr beenden konnten. Auch unser Hausmeister (ehrenhalber) Markus Pütz hat maßgeblich dazu beigetragen, die Ärgernisse eines alten Gemäuers besser zu ertragen.

Entgegen unseren Befürchtungen, dass wir die Räume wegen eines geplanten Hausverkaufs verlieren, haben wir noch einen befristeten Mietvertrag bis 2016 und fühlen uns nicht mehr so stark unter Handlungsdruck. Auch unsere Bemühungen um Projektmittel bei Stiftungen und öffentlichen Geldgebern waren sehr erfolgreich und ermutigend für die Zukunft.

 

krnerstraenfest

 

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Die Presse und Öffentlichkeitsarbeit konnte im letzten Jahr noch weiter verbessert werden. Kooperationen mit Printmedien fangen an sich auszuzahlen. Einen großen Schritt nach vorne haben wir mit unserem neuen Internetauftritt gemacht und mit dem regelmäßigen Newsletter. Mit einem neuen Redaktionssystem können wir die Seite nun auch in Eigenregie pflegen. Auch der Kölner Stadtanzeiger findet immer mehr Interesse an den Veranstaltungen. Im Internet sind wir in den gängigen Portalen und Veranstaltungskalendern vertreten. Im Hörfunk sind wir regelmäßig im Bürgerfunk durch alleweltonair auf Radio Köln (10 000 Zuhörer) im Ohr und auch im WDR, meist WDR 5 werden Themen und Autoren unserer Veranstaltungen aufgenommen und beworben. Gerne besucht auch die Deutsche Welle unsere Veranstaltungen und berichtet darüber. Eine gute Zusammenarbeit findet auch immer mehr über Funkhaus Europa statt.

Es hat sich gezeigt, dass Kooperationen und starke öffentlichkeitswirksame Partner wie die Stadt Köln, TransFair oder das neue Rautenstrauch Joest Museum dabei natürlich eine große Unterstützung sind. Es bleibt aber nach wie vor schwieriger bei unkonventionellen Themen, öffentliches Echo zu erhalten, wenn keine namhafte Prominenz o. ä. dabei ist. Daran arbeiten wir kontinuierlich, bauen Kontakte zu Journalisten sowie zu verschiedenen Medien auf. Verzichten dabei aber nicht auf wichtige, bisher wenig gehörte, in den Massenmedien untergehende Themen, wie beispielsweise die Frauenmorde in Mexiko. Hierin verstehen wir unsere Solidaritätsarbeit.

 

Das interkulturelle Zentrum

Es gibt bei uns Angebote, die mittlerweile schon Tradition haben und ein Beweis sind für das Bedürfnis nach kontinuierlichen, kostengünstigen Freizeitangeboten in einer geschützten Atmosphäre. Dazu zählen unser Malatelier am Freitag, die Frauengruppe am Dienstag und die Nähgruppe. Auch in Zeiten knapper Kasse bemühen wir uns mit den treuen Kursleitern das Angebot aufrecht zu halten.

Sprachförderung

Seit 2005 führten wir Integrationskurse im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge durch. Ende Juni 2011 endete der letzte Integrationskurs bei uns, seit November 2010 standen diese schon unter der Trägerschaft des Sprachhauses.

Die schlechte Nachricht war, dass wir uns von langjährigen Lehrkräften und enttäuschten KursteilnehmerInnen trennen mussten. Das ist uns nicht leicht gefallen. Bevor Wehmut aufkommen konnte, verabschiedete sich eine Teilnehmerin mit den Worten: „das Leben ist ein Zug, jeder ein Abteil, jeder bringt seine Erfahrungen mit und wir fahren gemeinsam."

Wir haben trotzdem auch auf kleiner Flamme weitergemacht: Es gibt mit „ Zu Hause in Köln" ein Deutschkursangebot, dass vom Bezirk Ehrenfeld in 2011 gefördert wurde. Es richtet sich explizit an Frauen und ermöglicht durch Exkursionen, Besuchen von Kultureinrichtungen und vor Ort- Besichtigungen einen praktischen Umgang mit der deutschen Sprache und Realität.

Ein zweiter Kurs am Abend ist offen für Interessierte, die das Deutschzertifikat absolviert haben oder schon relativ gut Deutsch sprechen. Viele stellen fest, dass sie nach den intensiven Integrationskursen gerne kontinuierlich weiterlernen möchten, aber nur einmal in der Woche Zeit haben. Wir sind sehr erfreut, dass dieses kostenpflichtige Angebot im Stadtteil so engagiert angenommen wird.

Die gute Nachricht war: Die Auseinandersetzungen, die wir mit dem Bundesamt hatten, fanden schon im Sommer 2011 ein Ende. Diese finanziellen Sorgen haben uns die erste Hälfte des Jahres sehr belastet und wir freuen uns mit allen Freunden, die mit uns gezittert haben. Vielleicht schaffen wir es ja im neuen Jahr wieder ein Sprachförderangebot zu entwickeln, das unseren Wünschen nach selbstbestimmtem Lernen und befriedigendem Lehren mehr entspricht als das Zwangskorsett der staatlich verordneten Integrationskurse.

Die Nutzergruppen

In 2011 haben sich zwar die verschiedenartigsten Gruppierungen und Einzelveranstalter für unsere Räume interessiert, aber im Wesentlichen sind uns doch dieselben Initiativen treu geblieben. Natürlich freuen wir uns sehr, wenn ein neues Land, wie jetzt z. B. Guinea, mit seiner Community vertreten ist.

Hausaufgabenhilfe

An vier Tagen in der Woche kommen nachmittags bis zu 15 Kindern und machen Hausaufgaben im großen Saal. Sie werden erfolgreich von einem ehrenamtlichen Betreuerteam unterstützt unter der Leitung von Peter Berenz.

Theater

Die erfolgreiche Arbeit der Straßentheatergruppe ist leider zur Mitte des Jahres vorerst beendet worden nach einem sehr schönen Auftritt am Körnerstrassenfest. Der Gründer unserer Theatergruppe Paco Mirallas verabschiedet sich bald nach Peru und sucht dringend einen Nachfolger.

 

AK interkulturelle Zentren

Das Allerweltshaus arbeitet regelmäßig im kommunalen Arbeitskreis mit und wir konnten uns freuen, dass der jährliche Kampf um die Fördermittel mal wieder erfolgreich war und der Haushaltsansatz in voller Höhe erhalten blieb. Der AK ist ein wichtiger Ort der Vernetzung.

Sozial- und Arbeitslosenberatung

Durch die neuerliche jährliche Beauftragung der Wohlfahrtsverbände durch die ARGE Köln konnten wir unser Angebot als Mitglied im Paritätischen in bewährter Form aufrechterhalten. Unsere Mitarbeiterin Dörte Mälzer berät mit ihrem Team von PraktikantInnen täglich durchschnittlich 20 Personen mit Problemen bei Ämtern, Mieterfragen, Familienkonflikten oder Fragen zum Bildungssystem. Seit Herbst läuft auch ein Projekt in Kooperation mit den Grundschulen am Erlenweg in Bickendorf. „Bildungsaufstieg als Familienprojekt" wird für ein Jahr von der Rheinenergiestiftung gefördert. Schuldenberatung ist ebenfalls ein neuer Schwerpunkt.

Offenes Plenum

Gegen Ende des Jahres 2011 fanden im Allerweltshaus zwei offene Plena zum Austausch für alle aktiven Gruppen, Nachbarn, Freunde und Interessierte statt. Das Plenum soll Ort und Gelegenheit sein, Kritik an uns zu formulieren, uns kennenzulernen und neue Kooperationen oder Ideen zu entwickeln. Das Allerweltshaus kommt somit auch vermehrt seinem Anspruch nach, transparent und zugänglich zu sein.

 

Entwicklungspolitische Bildungsarbeit

Projekt Stimmen Afrikas

chirikure chirikure

Die Literatur- und Bildungsreihe Stimmen Afrikas hat im Jahr 2011 in monatlichen Veranstaltungen junge und arrivierte AutorInnen aus Afrika vorgestellt und mit Gästen wie BesucherInnen gesellschaftspolitisch relevante Themen diskutiert. In verschiedenen Formaten wurden ganz unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen erreicht. Für Kinder gab es von hier lebenden AfrikanerInnen anschaulich erzählte Geschichten. Für Jugendliche gab es einen Workshop zum Thema Fremdenfeindlichkeit sowie Schullesungen und Gespräche mit AutorInnen aus Ägypten und Marokko zu den jüngsten politischen Entwicklungen in Nordafrika. Mit Nii Parkes wurde z.B. ein Newcomer aus Ghana mit einem erfolgreichen Krimi und mit Abdurachman A. Waberi einer der führenden Intellektuellen des Kontinents eingeladen. Das Highlight war der Afrika Tag im Rautenstrauch Joest Museum im Januar 2011. Wir beteiligten uns in der Gesamtorganisation und mit drei eigenen Veranstaltungen. Mit über 4000 BesucherInnen war es der best besuchteste Aktionstag im Museum und hat damit ein breites Publikum in ganz NRW erreicht.

Um eine nachhaltige Präsenz und Unterstützung afrikanischer Literatur zu erzeugen, wurde die gut ausgestattete Afrika Bibliothek des Allerweltshauses online gestellt.

Das Projekt konnte inhaltlich sowie von seiner öffentlichen Resonanz auf den Erfolgen des ersten Projekts aufbauen. Es wurden vielseitige neue Kooperationspartner wie die Stadt Köln, das Junge Literaturhaus, SK Stiftung etc. gewonnen. So sind die Stimmen Afrikas ein fester Bestandteil im Haus, als auch in der Köln/Bonner Literaturszene geworden.

Das Projekt wurde von der Stiftung Umwelt und Entwicklung und der Stadt Köln getragen.

 

Radioprojekt alleweltonair und Menschenrechte-Mexiko

juarez

2011 war für alleweltonair, die Radiogruppe im Allerweltshaus, und die Aktiven der Mexiko-Arbeit ein extrem arbeitsreiches, anstrengendes und produktives Jahr.

Das 1. Halbjahr war dem Abschluss unseres Mexiko-Schwerpunkts in der Radioarbeit gewidmet und stand im Zeichen neuer Morde: Zum Jahreswechsel waren zwei Aktivistinnen gegen die Frauenmorde in Ciudad Juárez umgebracht worden und die Zahl der Toten im mexikanischen „Drogenkrieg" stieg auf 40.000. Mit der Ermordung des Sohns des Dichters Javier Sicilia entstand eine neue Bewegung, die auf Kundgebungen und Märschen ein Mexiko in Frieden und Gerechtigkeit einforderte.

Die Mexiko-Initiative Köln/Bonn und alleweltonair haben die Mobilisierungen nach Kräften von Köln aus begleitet: mit Kundgebungen und Straßenaktionen in Köln, vor dem Allerweltshaus, auf der Domplatte oder auf der DGB-Kundgebung gegen Pro-Köln; durch eine Veranstaltungsreihe zu den Frauenmorden im Allerweltshaus, durch Vernetzung mit Frauenorganisationen, durch die Beteiligung an den Treffen der bundesweiten Mexiko-Koordination, durch Protestschreiben, durch eine von der Mexiko-Gruppe entwickelte Lesung zu den Frauenmorden und natürlich über Radiosendungen.

Im März formierte sich mit dem neuen Projekt "Juárez - Frauenmorde, Gewalt und organisierte Kriminalität" (gefördert vom eed und dem Katholischen Fonds) ein eigener Arbeitsbereich "Menschenrechte Mexiko" im Allerweltshaus.

Höhepunkt der Juarez-Reihe, die von Constanze Lemmerich und Brigitte Lang koordiniert wurde, war der Auftritt der mexikanischen Theatergruppe „Telon de Arena" aus Cd. Juárez im Arkadas-Theater im Juni 2011. Im 2. Halbjahr wurde die Arbeit mit einer Info- und Lesereihe zu Mexiko fortgesetzt. Von der Mexiko-Initiative wurden zwei Lesungen entwickelt – zu den Frauenmorden im Norden und der indigenen Selbstorganisation im Süden – und mehrfach in Köln vorgetragen. Hauptveranstaltungen im Herbst war der Auftritt der bekannten mexikanischen Folkloregruppe Bola Suriana im Allerweltshaus, verbunden mit einem Vortrag der mexikanischen Journalistin Estrella Soria zu Basisradios in Mexiko. Menschenrechte Mexiko war intensiv an der Vorbereitung des Mexiko-Tages am 27.11. 2011 im Rautenstrauch-Joest-Museum beteiligt, u.a. mit der Chiapas-Lesung.

Zur Vorbereitung des neuen Radio-Schwerpunktes wurden Gespräche mit einer Reihe von Menschenrechtsorganisationen geführt; im Oktober konnte das neue Projekt dann beginnen: ein Bürgerfunk-Magazin für Menschenrechte und Entwicklung, zum ersten mal für zwei Jahre mit einer Koordinierungsstelle (Brigitte Lang), einem festen Techniker (Edison Valencia) und Gudrun Knittel als Projektassistentin. Gemeinsam mit einer Reihe von Partnerorganisationen wie amnesty international, FIAN, Peace Brigades International, dem AK Eine Welt St. Georg (Haiti), DESWOS, der Mexiko-Initiative, dem Freundeskreis von Ekta Parishad e.V. und der DIG wollen wir alle zwei Monate im Bürgerfunk aus und über die Arbeit der Gruppen berichten.

Im November lief die erste Trainingsrunde mit der mexikanischen Radio-Trainerin Marta Romo, im Dezember die zweite Runde mit der Rundfunk-Journalistin Graciela Salsamendi aus Uruguay. Inzwischen hat unser Magazin auch einen Namen: „grenzenlos – ein journal menschenrechte und entwicklung". Am Sa., den 28. Januar 2012 wird die erste Folge bei Radio Köln UKW 107,1 zu hören sein.

Zwischen allen Veranstaltungen und den Vorbereitungen auf das Magazin-Projekt liefen auch die Feature-Produktionen weiter. 2011 wurden elf halbstündige Sendungen produziert, zu den Themen: Mexiko – mutige Frauen (Nacha, Montse); Frauenmorde in Juárez (Ni una más); 1 Jahr AZ in Köln; Haiti (Gespräch mit Franz Groll); Indien (Auf dem Wege Gandhis); Demokratiebewegung in Marokko (von Mahdi Alaoui und Sophie Hennis); Digna Ochoa und Guerrero; und schließlich unsere Sendung über den Menschenrechtstag im Allerweltshaus am 10. Dezember: „A Ray of Hope". - Alle Sendungen liefen im Bürgerfunk bei Radio Köln und wurden zumeist von ColoRadio Dresden wiederholt; eine Auswahl steht auf www.alleweltonair.de  zum Nachhören bereit. -

Die Arbeit von alleweltonair wurde 2011 gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, dem Evangelischen Entwicklungsdienst und dem Katholischen Fonds.

 

Projekt "Erinnern und Handeln für die Menschenrechte"

12. april

Im Jahr 2011 kam es zu einer Reihe von Protesten, Aufständen und Revolutionen der Bevölkerung in der arabischen Welt. Auf globaler Ebene bewegte die Finanzkrise, die den Macht- und Kontrollverlust der Politik und der Menschen über ein entregeltes globales Wirtschafts- und Finanzsystem offen vor Augen führte, die Politik und die Menschen. Die Atomkatastrophe in Japan in Folge eines Erdbebens sorgte für weitere Besorgnis. In Deutschland erregte im November insbesondere das Bekanntwerden der Mordserie durch die rechtsextreme terroristische Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) Aufsehen, die für mehrere Morde an und Mordanschläge auf MigrantInnen seit den 1990er Jahren verantwortlich gemacht wurde.

Das Projekt "Erinnern und Handeln für die Menschenrechte" griff diese globalen, nationalen, regionalen und lokalen Themen sowie diverse Themen über Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern auf und diskutierte sie kritisch. Insgesamt fanden 37 öffentliche Veranstaltungen statt (24 Vorträge, 6 Filmvorführungen, 5 Stadtteilführungen, 2 Workshops).

In Praktikas bieten wir jungen Erwachsenen, insbesondere Studierenden, die Möglichkeit, sich zum Thema „Menschenrechte" weiterzubilden und wichtige Arbeitstechniken für Moderation, Dokumentation und Recherche einzuüben. 2011 beteiligten sich 15 StudentInnen daran. Ein weiterer positiver Aspekt der Evaluation ist, dass 10 der StudentInnen in Folge ihres Praktikums Mitglied der Arbeitsgruppe wurden und so weiter bei dem Projekt mitarbeiten.

Die Zahl der Mitglieder der Arbeitsgruppe ist auf 53 gestiegen. Insgesamt fanden dieses Jahr drei Arbeitstreffen statt. Auf denen wurde die bisherige und aktuelle Arbeit des Projekts beleuchtet und Schwerpunktthemen für die nächste Veranstaltungsreihe festgelegt. Die Veranstaltungen werden durchschnittlich von 35 Interessierten unterschiedlichsten Alters besucht. Die Besucher bestehen aus einem Stammpublikum und neuen Besuchern, die sich mit lebhaften Diskussionen an den Veranstaltungen beteiligen. Im Verteiler sind über 600 Adressen zu verbuchen. - Das Projekt wurde von der Stadt Köln, der Bewegungsstiftung und der Rosa Luxemburg Stiftung unterstützt.

 

Tardes de Cine Club

view

Jeden zweiten Freitag im Monat werden im Rahmen dieses Projekt Filme aus Lateinamerika uns Spanien in Origianlsprache gezeigt. Anschließend gibt es im Forum die Gelegenheit sich in gemütlicher Runde über die Filme auszutauschen.

Dank dem Aktionsgruppenprogramm der GIZ hatten wir am 9. Dezember die Möglichkeit den ganz aktuellen Dokufilm „La Isla" zur Menschenrechtsproblematik in Guatemala zu zeigen, und dazu einen der Protagonisten einzuladen. In einem intensiven Gespräch mit dem Publikum berichtet Lucio Yaxón über seine persönlichen Erfahrungen und über die Menschenrechtssituation in Guatemala.

 

Globales Lernen für Kinder und Jugendliche

Seit Oktober 2011 widmen wir einen Teil unserer Energie wieder unserem seit einiger Zeit etwas vernachlässigten Projekt „Globales Lernen im Elementarbereich".

Anfang November startete der Kurs „Vamos a América" in dem in zehn Veranstaltungen zwei freie Referenten des Allerweltshauses zu unserer Kooperationskita (Kinderarche) gehen und dort mit den Kindern Aktivitäten im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung durchführen. Finanziert wird dieses Projekt durch das Programm „Bildung trifft Entwicklung" des Eine Welt Netzes NRW. Dieses Angebot soll 2012 auf weitere Kitas ausgeweitet werden.

Daneben werden im Januar 2012 zwei Kurse zum globalen Lernen für Kinder im AWH selbst starten. In „Clavis Magicus" werden in Form einer bilingualen Werkstatt (spanisch-deutsch) mit den Kindern die Lebensweisen der vorhispanischen Kulturen Lateinamerikas entdeckt. In „Allerweltsklänge" wird die musikalische Früherziehung mit Elementen der afrikanischen Kulturen verbunden.

 

KölnGlobal : Internetplattform und lokale Vernetzung

Im Rahmen des Koordinatorenprogramms verfolgen wir hauptsächlich zwei Schwerpunkte: die regionale entwicklungspolitische Bildungsarbeit und Vernetzung sowie die Umsetzung der MDGs in der Kommune. Des Weiteren verfolgen wir die Vernetzung und Unterstützung der MigrantenSelbstorganisationen und Einewelt Initiativen in der Region mit den afrikanischen Ländern als Schwerpunkt und verstärkter Einbeziehung der jüngeren Generation.

Zu ersten Bereich arbeiten die KoordinatorInnen im Team von KölnGlobal, dem Kölner Bündnis und Forum für international und interkulturell engagierte KölnerInnen. Nach dem Ratsbeschluss zur kommunalen Umsetzung der MDGs in Köln 2008 hat die Stadt noch einiges zu tun, um den Aktionsplan umzusetzen. KölnGlobal beobachtet als aufmerksames ziviles Forum dabei die Aktivitäten, sucht das Gespräch und unterstützt die Stadt Köln, die an dieser Stelle durch das Büro für internationale Angelegenheiten vertreten wird. Zudem wurde dort eine Stelle eingerichtet mit dem Auftrag ein Netzwerk nach Stuttgarter Modell zu installieren, in dem sich von Firmen bis Einzelpersonen alle für die Umsetzung der MDGs in der „Eine Welt Stadt Köln" engagieren können.

Anne Walkenbach war in der Vorbereitung und Beratung für die Veranstaltung aktiv beteiligt. Am 5. Mai war es dann soweit: mit einer Videobotschaft von Klaus Töpfer und prominenten NetzwerkbotschafterInnen wurde die von KölnGlobal angestoßene Idee mit über 450 Gästen umgesetzt.

Ein weiterer Erfolg für die Aktivisten von KölnGlobal war der 18. November: Köln wurde zur Fairtrade Town gekürt. Möglich geworden war dies durch die intensive Arbeit einer Steuerungsgruppe. Die Mitglieder der Steuerungsgruppe kommen aus verschiedenen Bereichen: Vertreten sind unter anderem die Stadt Köln, der KölnAgenda e.V., das Allerweltshaus e.V., die Evangelische Kirche, die Katholische Kirche, der Weltladen Köln, die Uni Köln und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen. Neben Planung und Organisation der Veranstaltung, war das Allerweltshaus auch auf dem Podium durch Anne Walkenbach vertreten. Ohne Zweifel: Die Auszeichnung ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit. Die Stadt Köln kommt somit auch der Agenda 21, dem entwicklungs- und umweltpolitischen Aktionsprogramm der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1992 nach, wo es heißt: „Als Politik- und Verwaltungsebene, die den Bürgern am nächsten ist, spielen sie [die Kommunen] eine entscheidende Rolle dabei, die Öffentlichkeit aufzuklären und zu mobilisieren und im Hinblick auf die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung auf ihre Anliegen einzugehen."

Berichtet wird über das ganze auf www.koelnglobal.de. Hier konnte mit Unterstützung von Inwent ein regelmäßiger Newsletter zur Stärkung der Öffentlichkeitsarbeit der Seite auf den Weg gebracht werden. Der schwierigen Gratwanderung in der Koordinierung eines ehrenamtlichen Teams und dem Anspruch einer professionellen journalistischen Schreibe ist schwer nach zu kommen. So versuchen die KoordinatorInnen auch hier weiterhin Gelder zu akquirieren, um die kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten.

KölnGlobal engagiert sich aktuell für die Gründung eines so genannten „Entwicklungsfonds", der in Zukunft entwicklungspolitische Initiativen in Köln finanziell unterstützen soll. Das hauptsächlich ehrenamtliche Engagement bei KölnGlobal war oft unstet, sodass es zum Teil schwierig war, die Arbeitsabläufe effektiv zu organisieren.

Hinzugekommen ist in 2011 mit der freundlichen Unterstützung der Stadt Köln eine Erweiterung zu koelnglobal.de mit dem Afrikaportal www.africologne.de. Entstanden ist diese Idee auf der 3. Regional Konferenz Afrikanischer Vereine und eine Welt Initiativen im November 2010. Das Ergebnis ist der Kreis Afrikanischer Vereine und Einwelt Initiativen (KAVEI) der sich nun regelmäßig trifft. Ziel ist es, neben der Unterstützung der Bedürfnisse afrikanischer Communities, ihre Themen aufzugreifen und diesen in Region, Politik und Öffentlichkeit eine Stimme zu verschaffen. Im Rahmen der KEB Tätigkeit konnten gemeinsam mit KAVEI zwei kleine Workshops zum Thema „Einkommenssteuer für Vereine" sowie „Existenzgründung im Rahmen des ARGE Programms" für MigrantInnen umgesetzt werden. Im Juli haben dabei ca. 15 Personen teilgenommen. Die Steuerungsgruppe verfolgt dabei den Aufruf der Landespolitik und arbeitet mit dem Dachverband der Afrikanischen Vereine NRW und der Fachstelle für Migration und Entwicklung zusammen.

KAVEI Köln arbeitet nach wie vor an der Erhebung afrikanischen Lebens in Köln und an der Bedarfsanalyse eventueller Workshops. Für 2012 ist eine Kooperation mit der Uni Köln geplant, um die Erhebung zu beschleunigen und das Ergebnis öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.

 

Kooperationen, Ausstellungen und besondere Events

Im Juni hatte das Allerweltshaus auf der alljährigen Summerstage von Funkhaus Europa die Gelegenheit ein breiteres Publikum für die Probleme zu sensibilisieren, die zahlreichen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland durch das Aufenthalts- bzw. das Asylrecht entstehen. Mit Hilfe des Aufenthaltsroulettes konnten Jung und Alt spielerisch Informationen zur Aufenthaltsrealität in unserem Land vermittelt werden.

Am 9. Juli präsentierte sich auch das Allerweltshaus im Rautenstrauch Joest Museum auf der Veranstaltung „Goldener Kochlöffel", wo es darum ging die besten Köche aus aller Welt zu küren. Wir waren mit kurdisch-iranischen und argentinischen Spezialitäten vertreten.

Auf dem Körnerstraßenfest am 23. Juli ergab sich eine Kooperation mit dem Verein querwaldein, der mit seiner Kampagne für den Klimaschutz ein Infozelt mit zahlreichen Lern- und Infomaterialien vor unser Haus stellte und so zahlreiche Besucher über dieses Thema informierte. Im Anschluss daran hing für sechs Wochen ein Klimaschutzbanner über unseren Schaufenstern, um daran zu erinnern, dass es höchste Zeit ist auch das eigene Leben klimafreundlicher zu gestalten.

Vom 16. September bis zum 14. Oktober konnte man in unseren Räumen die Ausstellung „Entwicklungsland D" (ausgeliehen vom Eine-Welt-Netz NRW) besichtigen, die durch die bewusste Gegenüberstellung typischer Wohlstandsaussagen mit Fotos von Naturvölkern provoziert und einige Diskussionen bei den Betrachtern auslöste.

Von April bis Oktober 2011 wurde der so genannte „Weltgarten", eine Ausstellung des Eine-Welt-Netz NRW zum Thema Nachhaltigkeit, Globalisierung und Klima, im Kölner Zoo präsentiert. Die Koordination für entwicklungspolitische Bildungsarbeit in der Region Köln/Bonn war an der Vor- sowie an der Nachbearbeitung beteiligt. Innerhalb der Ausstellung konnten verschiedene Kölner Initiativen und NGOs ihre Arbeit vorstellen. Auch das Allerweltshaus konnte sich eine Woche lang mit einem Info-Tisch präsentieren. Es war nicht ganz einfach das Interesse der BesucherInnen am Ende eines langen, anstrengenden Zoo-Besuchs zu wecken. Doch vor allem die haptischen Lerneinheiten der Ausstellung zogen immer wieder neugierige Kinder an, so dass es oft zu interessanten Gesprächen mit Groß und Klein kommen konnte.

Auf dem krönenden Abschluss der interkulturellen Woche in unserem Stadtviertel - der „Expressions" am 14. Oktober - konnte sich das Allerweltshaus abermals mit dem Aufenthaltsroulette einem größeren Publikum vorstellen und für diese Thematik sensibilisieren.

Auf der Veranstaltung „Offene Geschäfte" am 18. Oktober gelang es mit einigen Vertretern der Kölner Privatwirtschaft ins Gespräch zu kommen, sie grundsätzlich über unsere Arbeit zu informieren, um sie anschließend als Unterstützer für unsere Projekte zu gewinnen. Diese Veranstaltung sollte der Anstoß fuer unsere große Bodenrenovierung sein, die mit Hilfe von Ford Mitarbeitern im Februar 2012 durchgeführt wurde.

Am 27. November fand im Rautenstrauch Joest Museum der Mexiko-Tag statt, wo das Allerweltshaus neben einem Infostand durch unsere Mexiko-Lesung und eine Audiopräsentation von alleweltonair vertreten war. Die Lesung mit Poesie des Subcomandante Marcos war gut besucht und gewann einige Interessierte für die spezielle Mexiko-Problematik, zu der wir in unserem Haus viele Veranstaltungen durchführen (siehe Mexiko-Projekt).

Dank dem Aktionsgruppenprogramm der GIZ hatten wir am 9. Dezember die Möglichkeit mit unserem Kinoprojekt „Tardes de Cine" den ganz aktuellen Dokufilm „La Isla" zur Menschenrechtsproblematik in Guatemala zu zeigen, und dazu einen der Protagonisten für ein anschließendes intensives Gespräch mit dem Publikum über seine persönlichen Erfahrungen und über die Situation in Guatemala einzuladen.

 

Aktionstag Menschenrechte und MDGs

logomilleniumsziele

Der Menschenrechtstag am 10. Dezember bildete den Höhepunkt unseres Bildungsjahres, er war gleichzeitig das Ende der von der Stadt Köln finanzierten Reihe „Menschenrechte und Milleniumsziele" zu der seit September viele Veranstaltungen unserer drei wichtigen Projekte „Erinnern und Handeln für die Menschenrechte", „Stimmen Afrikas" und „Alleweltonair" durchgeführt wurden. Aller Voraussicht nach wollen wir den 10.12. von nun an immer nutzen, uns einer größeren Öffentlichkeit mit Menschenrechts- und Nachhaltigkeitsthemen zu öffnen.

Das vielfältige und bunte Programm für Jung und Alt bot viele Informationen und Anregungen um sich mit den Milleniumsentwicklungszielen (MDGs), den Aspekten der weltweiten Armutsbekämpfung und der Achtung der Menschenrechte auseinanderzusetzen. Bei guter Stimmung ging es mal laut, mal leise und mal aktionsreich, mal nachdenklich zu. In entspannter Atmosphäre wurden alte Bekannte wieder getroffen, fremde Menschen näher kennen gelernt, gemeinsam über globale Themen diskutiert und über neugewonnene Informationen reflektiert.

Höhepunkt des Tages bildete die Eröffnung der Ausstellung „Allee der Entwicklungsziele" mit anschließender Podiumsdiskussion, um den Gästen im Allerweltshaus die Thematik der Millenniumsentwicklungsziele näher zu bringen. Unter der Fragestellung „Sind die Millenniumentwicklungsziele bis 2015 zu erreichen?" diskutierten Stefan Rostock von Germanwatch, Frieder Wolf von der Stadt Köln und Sophie Hennis von KölnGlobal über die Umsetzung und Bedeutung der MDGs. Stefan Kreutzberger, freier Journalist und Autor, der die Diskussion moderierte, gab zunächst einen Überblick über die Zielformulierungen, die die Verteidigung der Menschenrechte fest im Blick haben.

Es gab nicht nur reichlich Programm für die Großen, sondern auch für die Kleinen. An den vier Stationen des Kinderparcours zu Ernährung, Gesundheit, Bildung und Spiel setzten sich auch die Kleinen in gemütlicher Atmosphäre mit den Kinderrechten und der Verteilung der Nahrung auf der Welt auseinander. Auch die Jüngsten entdeckten, dass es „doof ist Tiere zu töten" und lieber kein Fleisch essen wollen, mit Ausnahme von Chicken-Nuggets.

Um die vielen gewonnen Eindrücke und Informationen der Veranstaltungen zu reflektieren und zu diskutieren, schuf das Café im Eingangsbereich einen gemütlichen Raum der Begegnung und eine Möglichkeit sich bei Glühwein, Saft und kleinen Snacks auszutauschen. Die Infostände von Amnesty International, Freunde von Ekta Parishad, Peace Brigades International, Äthiopische KUEPRP, die Kolumbiengruppe, kein Mensch ist Illegal und Ingenieuren ohne Grenzen, boten eine Gelegenheit sich über die engagierte Arbeit zur Einhaltung der Menschenrechte und Umsetzung der MDGs auf verschiedene Art und Weisen zu informieren, Kontakte zu knüpfen und sich vielleicht auch selbst in Zukunft zu engagieren. Darüber hinaus vermittelten Kurzfilme thematisches Hintergrundwissen zu den Menschenrechten und zu globalen Themen wie Migration und dem Klimawandel. Zum Ausklang des Tages wechselten die Gäste nach der Veranstaltung die Location und feierten den erfolgreichen Tag in der Simrockbar. Die Party wurde von dem hausinternen Projekt „Erinnern und Handeln für die Menschenrechte" organisiert.

Die OrganisatorInnen aus dem Allerweltshaus freuen sich auf einen sehr informativen, anregenden, unterhaltsamen und nachdenklichen Tag zurückblicken zu können und sind begeistert, wie viele Leute den Weg zum Aktionstag gefunden zu haben. Gleichzeitig bildete dieser Tag einen würdigen Abschluss des Bildungsjahres 2011.

img 8544