> Programm 1. Halbjahr 2010

Programm Januar bis April 2010

Januar
Februar
März
April

 
 

 

Vortrag und Diskussion
mit Dr. Yahya Wardak

Freitag, 15. Januar 2010, 20 Uhr

Quo vadis Afghanistan?

"Der Interventionskrieg der USA und der NATO in Afghanistan geht ins neunte Jahr, er dauert also schon länger als der Zweite Weltkrieg. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Intervention hatte ursprünglich – so die Legitimation – die Selbstverteidigung der USA, die Festnahme der Al Qaida-Terroristen und die Zerschlagung deren Angriffspotenzials zum Ziel. Mittlerweile ist sie zu einem Kampf gegen die seinerzeit in Afghanistan herrschenden Taliban geworden, mit der erklärten Zielsetzung, das Land in eine Demokratie zu verwandeln und marktwirtschaftlich zu entwickeln. Obwohl die Mittel die Ziele bestimmen, wurde die Intervention mit Hilfe der nördlichen Warlords betrieben, die ganz und gar nichts mit Demokratie zu tun haben. Der Krieg wird auf dem Rücken der Bevölkerung des Landes geführt, die nicht nur „Kollateralschäden“ zu tragen hat, sondern auch unter bitterer Armut leidet.“ (Dossier IV der Kooperation für den Frieden)
Der Vortrag wird nach einer kurzen Skizzierung der Lage und Grunddaten Afghanistans auf den, nach dem Sturz der Taliban ins Leben gerufenen, Petersberg-Prozess (auch Bonner Prozess) eingehen. Die aktuelle Situation des Landes und Probleme sowie Fehler bei der Umsetzung von „Maßnahmen zur Friedensförderung und Entwicklung“ werden ein wichtiges Thema des Vortrages sein. Hierbei wird auf die Rolle der Bundesregierung und des Einsatzes der deutschen Bundeswehr eingegangen und der Versuch unternommen, eine Bilanz des Engagements zu ziehen, unter Berücksichtigung des afghanischen Blickwinkels. Deutschland hat durch den Angriff auf zwei Tanklastwagen im September 2009 erneut die Frage in den Mittelpunkt gerückt, wie mit zivilen Opfern umgegangen werden soll. Abschließend sollen Zukunftsperspektiven und Möglichkeiten für eine friedliche Lösung des Krieges diskutiert werden.
Dr. Yahya Wardak studierte Medizin und gründete das heute in Bonn angesiedelte Afghanistan Information Centrum (www.afghanic.de).
Er ist freier Mitarbeiter der Afghanischen Redaktion der Deutschen Welle und berät unter anderem für InWent Afghanistan-Projekte.

Eintritt 3,- €

 
 

 

Matinee
Performance
und Gespräch


Sonntag, 24. Januar 2010, 13 Uhr

STIMMEN AFRIKAS
Babangoni wawa Chisale - Poet aus Malawi

Babangoni wawa Chisale (geb. 1981) tritt bei seinen Lesungen in den traditionellen Regalia seiner Heimat auf. Entsprechend seiner Tradition und seiner Kultur möchte er mit seinen Rezitationen moralische Botschaften an die Zuhörer vermitteln.
2001 wurde ein Album mit seinen Rezitationen veröffentlicht. Dieses Album
"Dale Zili Maliseche" (Demokratie ist nackt in Afrika) stellt die politische Situaton seines Landes heraus.
Nach seiner vielbeachteten Performance bei world wide poetry wird Babangoni wawa Chisale seine Performance im Alterweltshaus Köln aufführen.
Seit November 2009 ist er als Stipendiat zu Gast im Heinrich Böll Haus Langenbroich.
Moderieren wird
Dr. Karin Clark, freie Autorin und Übersetzerin, Mitglied des Internationalen und des Deutschen P.E.N, des "Writers-in-Prision-Commitees" und im Vorstand des Heinrich Böll Hauses.

Eine Veranstaltung des Allerweltshaus Köln
in Kooperation mit dem Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V./Heinrich-Böll-Stiftung, gefördert durch die „Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW“.



Eintritt 5,-€ (erm. 3,-€)

 
 

 

Vortrag und Diskussion

Severinstraße in der Kölner Südstadt

Donnerstag, 28. Januar 2010, 19.30 Uhr

Die Kinder von Benposta

mit Heiko Kraus, Sarah Benneh (Freundeskreis Benposta Deutschland), Ruth Kadalie (Soziologin)

Benposta-Gemeinschaften sind reformpädagogische Ansätze für Straßenkindern oder Aidswaisen, die sonst keine Entwicklungsmöglichkeiten hätten. Projekte finden sich hauptsächlich in lateinamerikanischen Ländern. Die Kinder leben in großen Gruppen zusammen, praktizieren Formen der Selbstverwaltung und können sich durch die selbstbestimmte Mitarbeit in Projekten (Landwirtschaft, Handwerk, Zirkus) weiterentwickeln und einen Schulabschluss erwerben.
Ruth Kadalie stellt den reformpädagogischen Ansatz von Benposta dar. Heiko Kraus und Sarah Benneh berichten die Lage der Kinder in Südafrika und über ähnliche Projekte mit Aids-Waisen.

Der Abend verspricht eine interessante Auseinandersetzung mit der Realität von Kindern in Südafrika und wieder aktuellen reformpädagogischen Ansätzen.

 

 

Vortrag und Diskussion

Freitag, 29. Januar 2010, 20 Uhr

Der „ewige“ Konflikt Israel - Palästina

mit Khalil Toama und Irit Neidhardt

„Seit Jahrzehnten leben das israelische und das palästinensische Volk als Nachbarn. Es gäbe viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zur gemeinsamen Entwicklung. Stattdessen wird ihr Leben vergiftet durch Krieg und Gewalt, durch Bedrohung und Terror, durch gegenseitigen Hass, Verachtung und Respektlosigkeit."
(Berliner Erklärung jüdischer BürgerInnen Schalom 5767)

Der Vortragsabend soll die Geschichte und vor allem aktuelle Situation des Konfliktes zwischen Israel und Palästina darstellen. Perspektiven für eine friedliche Lösung des Konfliktes werden diskutiert.
Im folgendem soll der Frage nach dem Bild des Konfliktes nachgegangen werden: Wie wird über Bilder eine kollektive Wahrnehmung des Konfliktes fabriziert? Der israelisch-palästinensische Konflikt ist sicher einer der meist gefilmtem Konflikte der Welt. Es werden immer dieselben Bilder produziert auch wenn sich die Realität vor Ort ständig wandelt. Warum? Welche Bilder gibt es darüber hinaus und warum sind diese wenig in den Medien präsent?

Diese Fragen wollen wir mit den Referenten Khalil Toama und Irit Neidhardt diskutieren.
Khalil Toama, geboren in Palästina, studierte in Israel und war in einer jüdisch-arabischen Organisation aktiv. Ab 1969 studierte er in Deutschland, war lange Zeit Vorsitzender der DPG (Deutsch-Palästinensische- Gesellschaft) und ist heute im Vorstand. Außerdem ist er Mitglied in der DIAK (Deutsch Israelischer Arbeitskreis für Frieden im Nahen Osten).
Irit Neidhardt ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit vielen Jahren in der Filmbranche. Sie betreibt mec film, eine Verleih- und Koproduktionsfirma für Filme aus dem Nahen Osten.

Eintritt 3,- €

 

 

Ausstellungseröffnung

Samstag, 30. Januar 2010, 19.30 Uhr

ATELIER
Ausstellung von Mahdi Alaoui

vom 30.01.-01.03.10

Mit Musik und kleinen Snacks

Die Ausstellung „Atelier“ zeigt eine Zusammenstellung der Werke des Künstlers Mahdi Alaoui.

Seine Bilder zeigen ein großes Spektrum seiner Kreativität, geprägt durch seine arabische Kultur und seiner eigenen Philosophie.
Viele Kunstwerk spiegeln die Stimmung und das Gefühl für sein Land Marokko wieder.

Sie handeln von Hoffnung, Abschied, Aufbruch und Wanderung. Andere Werke beziehen sich auf die politische Situation seines Landes, durchaus stellvertretend für viele andere Länder dieser Welt. Mahdis Liebe zur Natur und der liebevolle Blick auf die Bewohner dieser Erde aber auch surreale Träume und Visionen werden von ihm ausdrucksvoll dargestellt.

Die Ausstellung ist geöffnet Mo. – Fr. 10 – 20 Uhr
30.01. – 01.03.2010

   
 

 

Vortrag und Diskussion

Freitag, 05. Februar 2010, 20 Uhr

Unsere Zukunft: Atomwaffenfrei

mit Marion Küpker

Auf dem Bundeswehr/ NATO-Luftwaffenstützpunkt Büchel in Rheinland Pfalz sind ca. 20 US-Atombomben stationiert, die zusammengenommen einer Sprengkraft von über 150 Hiroshima-Bomben entsprechen. Deutschland stellt dort mit den Tornado-Kampfflugzeugen des Jagdbombergeschwaders 33 das Trägersystem für die B 61 Atomsprengköpfe. Bundeswehrsoldaten sind durch das Festhalten unserer Regierung an der „nuklearen Teilhabe“ in der NATO dazu verpflichtet, die Atombomben bei Befehl ins Zielgebiet zu fliegen und abzuwerfen. Nukleare Erstschläge auch gegen Nicht-Atomwaffenstaaten oder „vorbeugende“ Angriffskriege mit „Mini-Nukes“ im sog. Krieg gegen den Terror sind aktuelle Themen der für Ende 2010 geplanten neuen NATO Doktrin. Der Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen ist völkerrechtswidrig und stellt eine der größtmöglichen Menschenrechtsverletzungen und einen Bruch des Atomwaffensperrvertrages durch die BRD und die USA dar.

Durch den jahrelangen Druck aus der Friedensbewegung ist es im Oktober 2009 gelungen, dass der Abzug der Atomwaffen aus Deutschland im Koalitionsvertrag festgehalten wurde. Erstmalig seit dem Ende des Kalten Krieges redet eine Regierung ganz konkret von einem atomwaffenfreien Deutschland.
Unser Ziel: Auf der im Mai 2010 stattfindenden NVV-Konferenz in New York soll der Regierungsvertreter Deutschland offiziell für atomwaffenfrei erklären und die nukleare NATO-Teilhabe aufkündigen!

Die Veranstaltung informiert über die Situation der Atomwaffen weltweit und über die aktuell nötigen Schritte unserer international eingebundenen Proteste hin zu einer atomwaffenfreien Welt.

Marion Küpker ist Koordinatorin der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen (GAAA).

Eintritt 3,- €

 
 

 

Vortrag und Diskussion

Freitag, 19. Februar 2010, 20 Uhr

Eine hoffnungsvolle Protest- und Zivilbewegung im Iran

mit Monireh Baradaran

Am 12. Juni fanden im Iran die Präsidentschaftswahlen statt. Dabei konnte sich der bisherige Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad laut Wahlkommission klar durchsetzen. Infolge des Verdachts auf Wahlbetrug gingen zahlreiche Menschen in vielen iranischen Städten auf die Straße, um gegen die Unterdrückung und für die Demokratie zu demonstrieren. Während die Demonstranten friedlich und gewaltlos waren, versuchten die Sicherheitskräfte die Proteste mit großer Gewalt im Keim zu ersticken. Demonstranten wurden von der Polizei erschossen und mehrere Hundert festgenommen. Auch ausländische Journalisten wurden zeitweise festgehalten. Die Proteste gingen jedoch in verschiedenen Formen weiter.

Monireh Baradaran möchte zunächst auf die Bedeutung des Begriffs „Wahl“ in der Islamischen Republik Iran eingehen. Welche Beschränkungen und welche Möglichkeiten ergeben sich hieraus für die Bevölkerung? Im Anschluss wird die Referentin unterschiedliche Aspekte der Protestbewegung näher beleuchten. Die Entwicklung der Bewegung von den anfänglichen Parolen wie „Wo ist meine Stimme?“ bis hin zu der Forderung einer demokratischen „Iranischen Republik“ an Stelle einer Islamischen Republik soll skizziert werden. Außerdem wird sie auf die Rolle der Frauen innerhalb der Bewegung näher eingehen. Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede gibt es mit der Revolution von 1979?

Darüber hinaus wird die iranische Thematik in einem weiteren Punkt in der Weltöffentlichkeit diskutiert. Der internationale Konflikt bezüglich „Nuklearenergie/Nuklearwaffen“ spitzt sich zu. Die Besorgnis besteht aufgrund der Erfahrung mit dem Irak: Wird dieser Konflikt zu einem Krieg mit dem Iran führen?

Monireh Baradaran wurde 1955 in Tebriz, Iran geboren. Unter der Schahdiktatur wurde sie 1978 zum ersten Mal verhaftet. Ihre Freilassung erfolgte ein Jahr später im Zuge der Revolution. Bereits 1981 erfolgte eine weitere Verhaftung auf Grund ihrer politischen Aktivität gegen die Islamische Republik. Nach neunjähriger Gefangenschaft lebt Monireh Baradaran heute in Deutschland. In Hannover beendete sie ihr Studium der Soziologie. Ihre Erinnerungen an die Zeit im Gefängnis hat sie niedergeschrieben. Ihr Buch ist 1998 unter dem Titel Erwachen aus dem Alptraum in deutscher Sprache erschienen. Im Dezember 1999 ist Monireh Baradarn mit der Karl-Von-Ossietzky-Madaille von der Internationalen Liga der Menschenrechte ausgezeichnet worden.

Eintritt 3,- €

   
 

 Matinee
Lesung und Gespräch

Sonntag, 21. Februar 2010, 13.00 Uhr

STIMMEN AFRIKAS
Wilfried N'Sondé – "Das Herz der Leopardenkinder"

Wilfried N'Sondé erzählt mit unerhörter Musikalität und sprachlicher Ausdruckskraft von einer zärtlichen, verzweifelten Liebe und gibt zugleich den Problemen seiner afrikanischen Migranten Generation eine neue Stimme. - Zusammengeschlagen und eines Verbrechens angeklagt, an das er sich kaum erinnert, findet sich ein junger Schwarzer auf einer Polizeiwache wieder. Aus der tiefsten Erniedrigung einer Gefängniszelle erhebt sich ein Chor von Stimmen. Da ist die leidenschaftlich geliebte Mireille; da ist Drissa, sein Blutsbruder, der die Gewalt gegen sich selbst kehrt; und Kamel der zum Fanatiker geworden ist. Und immer wieder die Stimmen der Ahnen, die ein Afrika beschwören, das für die an der Bruchlinie zweier Kulturen aufgewachsenen „Leopardenkinder“ nur noch ein ferner Mythos ist.

Wilfried N’Sondé, geb. 1968 in Brazzaville (Kongo), kam mit fünf Jahren nach Frankreich, studierte Politologie an der Sorbonne und zog vor 16 Jahren nach Berlin, wo er Sozialprojekte mit türkischen Jugendlichen betreut und als Musiker, Autor und Komponist arbeitet. Sein Debütroman „Das Herz der Leopardenkinder“ wurde mit dem Prix des cinq continents de la Francophonie und dem Senghor-Preis ausgezeichnet.
Die Journalistin
Marija Bakker wird das Gespräch moderieren.
Der Schauspieler
Till Brinkmann wird Auszüge aus dem Roman vorlesen.

Gefördert durch die „
Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW“.



Eintritt 5,-€ (erm. 3,-€)

 
 

 

Vortrag und Diskussion

Donnerstag, 25. Februar 2010, 20 Uhr

Medien und Menschenrechte in Mexiko

mit Pedro Matías Arrazola

Der Journalist Pedro Matías Arrazola arbeitet im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Im Oktober 2008 wurde er entführt und bedroht. Seit vielen Jahren setzt er sich kritisch mit der politischen Situation in Mexiko auseinander und berichtet über die sozialen Hintergründe und Basisbewegungen vor Ort.

Mexiko ist eines der gefährlichsten Länder für Journalisten weltweit. Aufgrund der Bedrohungen ist Pedro Matías Arrazola für ein Jahr als Stipendiat der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte in der BRD. Im Februar wird er in Köln sein und berichtet im Allerweltshaus über die politische und soziale Lage in Mexiko und die Pressefreiheit.

In Kooperation mit der Mexiko-Initiative Köln/Bonn.

Eintritt 3,- €

 
 

 

Vortrag und Diskussion

Freitag, 26. Februar 2010, 20 Uhr

Iraks blutige Wende:
"Modell-Demokratie" im Mittleren Osten?

mit Loay Mudhoon

Bekanntlich stand der Irak-Krieg im Jahre 2003 ganz im Zeichen neokonservativer Pläne zur "revolutionären Demokratisierung" des Nahen Ostens. Diese sahen eine Art "Dominoeffekt der Demokratisierung" im Nahen und Mittleren Osten vor: Vom Irak aus sollte die Demokratie die anderen despotisch oder autoritär regierten arabischen Staaten und den Iran erfassen - und dauerhaft für politische Stabilität in dieser Krisenregion sorgen.
Doch der Irak, jenes künstliche Gebilde ohne nationale Bindung und innere Homogenität, gleichwohl mit hochgradigen, religiös-kulturellen und ethnischen Spaltungen, erwies sich schnell als ein denkbar schlechtes Terrain für dieses westliche Demokratieexperiment.
Sieben Jahre nach dem offiziellen Kriegsende ist die Etablierung einer stabilen, demokratischen Nachkriegsordnung im Land immer noch nicht abgeschlossen. Auch in den meisten Ländern der Region um den Irak haben sich die demokratischen Strukturen nicht durchgesetzt. Auf der anderen Seite hat sich inzwischen ein neues parlamentarisches Staatswesen im neuen Irak etablieren können; das irakische Parlament wandelt sich vom chaotischen, konfessionell geprägten Debattierclub zur ernst zu nehmenden Volksvertretung - ein Novum in der arabischen Welt. Und viele irakische Parteien wenden sich vom separatistischen Konfessionalismus der Nachkriegsära ab und versuchen nun redlich, die nationale Einheit durch eine ethnisch- und konfessionsübergreifende Mehrparteienkoalition zu stärken.

Beim Vortragsabend wollen wir die aktuelle Lage im Irak und in den Nachbarländern und die zukünftige Perspektive im Hinblick auf Frieden, die Zukunft der Demokratie sowie Menschenrechte diskutieren.

Loay Mudhoon ist Politologe und Islamwissenschaftler. Der Nahostexperte lehrt und forscht an der Universität Köln zur geostrategischen Rolle des Nahen und Mittleren Ostens. Zu seinen Forschungsgebieten gehören auch die politiktheoretischen Grundlagen des Islamismus und das Reformdenken im zeitgenössischen Islam. Er ist zudem Redakteur der Deutschen Welle und Redaktionsleiter des Internetportals Qantara.de - Dialog mit der islamischen Welt.
www.qantara.de

Eintritt 3,- €

   
 
Vortrag und Diskussion

Donnerstag, 11. März 2010, 20 Uhr

Kein „Friedhof für Diplomaten“ mehr?
In der Zypernfrage könnte es zu einer Lösung kommen

mit Panagiotis Kouparanis

Weil sich schon seit Jahrzehnten so viele internationale Vermittler erfolglos an dem Konflikt zwischen Inselgriechen und Inseltürken abgearbeitet haben, wird Zypern auch „Friedhof der Diplomaten“ genannt. Seit über einem Jahr verhandeln die Betroffenen selbst. Die beiden Volksgruppenführer Dimitris Christofias und Mehmet Ali Talat kommen in regelmäßigen Abständen zusammen, um über viele strittige Fragen zu reden.

Da von den Verhandlungen wenig Verwertbares nach außen dringt, ist schwer abzuschätzen, was der Stand der Dinge ist. Sicher ist nur: wenn Christofias und Talat es nicht schaffen, vor den Präsidentschaftswahlen in Nordzypern im April 2010 einen Plan zur Wiedervereinigung vorzuschlagen, dann kann man die Wiedervereinigung abschreiben. Denn danach wird im Norden der Insel mit Sicherheit nicht der verhandlungswillige Talat Präsident sein. In den nächsten Tagen und Wochen wird es aber nicht nur auf die beiden Volksgruppenführer ankommen, sondern auch auf die Türkei. Wird sie bereit sein, ihre 35.000 Soldaten von der Insel abzuziehen und ein souveränes Zypern akzeptieren? Und werden die Inselgriechen in diesem Fall, auf die Ängste der Zyperntürken eingehen, die keine Bürger zweiter Klasse sein wollen? All diese Fragen haben eine lange Geschichte.

Panagiotis Kouparanis ist Journalist und Autor.

Eintritt 3,- €

 
 


Vortrag und Diskussion

Freitag, 19. März 2010, 20 Uhr

Klimawandel und Ressourcenkonflikte

mit Prof. Dr. Jürgen Scheffran

In der Geschichte gibt es viele Beispiele für Kriege um natürliche Ressourcen, oft genug, weil diese für das Führen von Kriegen gebraucht wurden. Die Problemlage spitzt sich heute durch eine nicht-nachhaltige Ausbeutung der Ressourcen zu. Eine abnehmende Verfügbarkeit von Trinkwasser, die Degradation von Böden und Nahrungsmitteln, häufigere Wetterextreme wie Dürren, Stürme oder Überschwemmungen zwingen Millionen von Menschen zur Flucht und können bestehende Konflikte verstärken.

In vielen Regionen stellen natürliche Ressourcen und Umweltveränderungen einen wichtigen Konfliktfaktor dar. Beispiele sind Öl im Nigerdelta, Erdgas zwischen der Ukraine und Russland, Wasser in Nahost, Landnutzung in Darfur, Diamanten im südlichen Afrika, Rohstoffe im Kongo, Dürre in Kenia, Bergbau in Ecuador oder Überfischung am Horn von Afrika. Ob eher der Mangel oder der Reichtum an Ressourcen Konflikte befördert, hängt von verschiedenen Kontextbedingungen ab. Die Konkurrenz um knappe Ressourcen beeinflusst das Verhältnis zwischen Regionalmächten, aber auch das Verhältnis der Industrieländer untereinander, wie die Ressourcenkonkurrenz in der Arktis zeigt.

Der globale Klimawandel verschärft mit der Ressourcennutzung verbundene Risiken und Konflikte noch. Da eine globale Temperaturerhöhung viele natürlichen Systeme unter Stress setzt, verringert sich ihre Tragfähigkeit und Ressourcenproduktivität, wodurch menschliche Bedürfnisse nach Wasser, Nahrung und Gütern in Brennpunkten (Hot Spots) nicht mehr zu sichern sind. Der Multiplikatoreffekt der globalen Erwärmung kann zu einer Kaskade katastrophaler Risiken führen, die die gesellschaftliche Stabilität ganzer Regionen gefährdet. Darauf zu hoffen, dass das Militär als Katastrophenmanager einspringen und die Risiken eingrenzen könnte, dürfte sich als Trugschluss erweisen.

Eine nachhaltige und gerechte Nutzung, die die Ressourceneffizienz optimiert, Risiken minimiert und allen Menschen eine lebenswerte Existenz erlaubt, wäre ein wichtiger Beitrag zur Friedenssicherung. Der Aufbau nationaler und internationaler Institutionen und Regime ist wesentlich, um Konflikte vorbeugend zu bewältigen, Risiken zu managen und kooperative Lösungen der Probleme zu finden.
Jürgen Scheffran ist Professor für Klimawandel und Sicherheit in der KlimaCampus Exzellenz-Initiative der Universität Hamburg (clisec.zmaw.de)

Dr. Jürgen Scheffran ist Professor für Klimawandel und Sicherheit in der KlimaCampus Exzellenz-Initiative der Universität Hamburg (clisec.zmaw.de)

Eintritt 3,- €

 
 


Stadtteilführung

Sonntag, 21. März 2010, Treffen 14 Uhr im Allerweltshaus

Stadteilführung in Ehrenfeld

mit Ralf Berger

Am Beispiel Ehrenfelds werden unten stehende Themen angesprochen:
- die neue soziale Unterschicht in den Städten vor dem 1. Weltkrieg
- Geschichte der jüdische Gemeinde
- Kolonialpolitik Deutschlands vor dem ersten Weltkrieg
- die sozialen und politischen Auseinandersetzungen in der Weimarer - Republik
- Sozialpolitik des Nationalsozialismus
- Verfolgung und Widerstand in den letzten Jahren der NS Herrschaft
- neue soziale Durchmischung in der Zeit nach 1970
- aktuelle Tendenzen der Stadtteilentwicklung

Auf Wunsch können Schwerpunkte gesetzt werden. Die Führung wird 2,5 – 3 Stunden andauern. Anschließend gibt es noch Gelegenheit zum Gespräch über das Gehörte und das Gesehene bei Kaffee und Kuchen.

Beitrag 5,-€ (erm. 3,-€)

 
 

Vortrag und Diskussion

Donnerstag, 25. März 2010, 20 Uhr

Die Lebensrealität in Brasilien und der weltweite Kampf
um Ressourcen

mit Helmut Weiss

Brasilien ist eines der sogenannten Schwellenländer, die durch das Paradigma der import - substituierenden Industrialisierung, verbunden mit einem enormen Raubbau an den natürlichen Ressourcen zu einem Industrieland „aufgestiegen“ sind. Der Preis dafür war und ist hoch: soziale Polarisierung, industrielle Landwirtschaft, ökologische Katastrophen…
Wie sieht die Lebensrealität vieler Menschen heute aus? Befindet sich das Land im Um- Auf- oder Abbruch? Wie hoch ist der Preis dieses Entwicklungsparadigmas und was heißt das für die politischen und vor allem sozialen Menschenrechte in Brasilien.

Der Abend soll eine Mischung aus Landeskunde, Diskussion dieses Entwicklungsmodells und Einblick in die vielfältigen sozialen Bewegungen des Landes sein.

Helmut Weiss ist in Brasilien aufgewachsen, besucht das Land regelmäßig und steht mit vielen Akteuren seit vielen Jahren in Kontakt.

 
 

 

Workshop

Samstag, 27. März 2010, 11-18 Uhr

Gerechtigkeit ? Vergangenheitsbewältigung ? Menschenrechtspraxis ?

mit Bianca Schmolze und Knut Rauchfuß (angefragt)

Der Workshop hat zum Ziel einen Diskussionsprozess in Köln anzustoßen, wie sich massenhaft traumatische Erfahrungen gesellschaftlich niederschlagen, wie sie aufgearbeitet werden können und wie eine emanzipatorische Menschenrechtspraxis aussehen könnte. Dazu nutzen wir das Format eines Tagesworkshop um etwas genauer und entspannter ein komplexes Thema zu diskutieren.

Bianca Schmolze von der medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum und Knut Rauchfuß sind Herausgeber des im Jahre 2009 erschienen Buches „Kein Vergeben. Kein Vergessen. Der internationale Kampf gegen Straflosigkeit“.
In dem Buch wird die Aufarbeitung von schweren und systematischen Menschenrechtsverletzungen in 12 Ländern Europas, Asiens, Afrikas und besonders Lateinamerikas skizziert. Die Erfolge vieler unermüdlicher Menschenrechtsaktivist/inn/en in diesen Ländern sind darin sichtbar, dass sich Täter heute zunehmend
auf der Anklagebank wieder finden. Trotzdem sind die Erfahrungen mit den Aufarbeitungsprozessen sehr unterschiedlich und können mit dem Slogan „Gerechtigkeit heilt“ beschrieben werden.
Die Referenten werden einige Beispiele aus dem Buch darstellen und es wird Raum geben über diese Länderbeispiele zu sprechen. Je nach Anzahl der Teilnehmenden können zu einzelnen Länderbeispielen auch Arbeitsgruppen gebildet werden.

In einer gemeinsamen Abschlussdiskussion werden wir die Frage zuspitzen, wie eine emanzipatorische Menschenrechtspraxis für uns aussehen könnte.

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten wir um Voranmeldung unter menschenrechte@allerweltshaus.de

   
 

 

Zweisprachige Lesung
und Gespräch



Sonntag, 25. April 2010, 13 Uhr

STIMMEN AFRIKAS
Fatou Diome - „Ketala“
(aus dem Französischen von Brigitte Große)

Wer ist die Frau, die zum Sterben nach Afrika zurückgekommen ist? Man weiß nichts von ihr. Ihre treuesten Begleiter, einige Habseligkeiten, drohen in Kürze in alle Winde zerstreut zu werden. Doch vor der Erbteilung bleiben den Möbeln noch sechs Nächte und fünf Tage, um einander die abenteuerliche Geschichte ihrer Besitzerin zu erzählen…

"Mit poetischen Bildern und viel Wortwitz bietet Fatou Diome sämtlichen Klischees über die afrikanische Lebensart die Stirn (...).“ 3Sat

"Fatou Diome (...) gewann mit ihrem Roman die Herzen aller, der KritikerInnen und des Publikums. Zu Recht. Ihre kecke Sprache, ihr süffisanter Ton, die ätzenden Bemerkungen, der ungehemmte Fluss der Rede und auch der kritisch-liebevolle Blick, den sie zwischen Afrika und Europa ungehemmt schweifen lässt, sind ebenso ungewöhnlich wie appetitanregend.“ Buchkultur

Geboren 1968 in dem senegalesischen Fischerdorf Niodior, lebt Fatou Diome seit 1994 in Straßburg. Sie studierte Literaturwissenschaften und unterrichtete an der Universität. Ihr erster Roman "Der Bauch des Ozeans" hatte international großen Erfolg und wurde in Deutschland mit dem Literaturpreis ausgezeichnet.

Gefördert durch die „Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW“.



Eintritt 5,-€ (erm. 3,-€)

 

 
 
 
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