> Programm 1. Halbjahr 2010

Programm April bis Juli 2010

April
Mai
Juni
Juli

 
 

 

Vortrag, Diskussion
und Konzert



Donnerstag, 22. April, 20 Uhr

Neue Friedenswege in Israel

mit Ofer Golany und Alexander Meyen

„For many reasons (the holocaust being one) Israel has developed into a militaristic society and also one that can not look outside itself to accept criticism of its military accesses. Pacifism and conscience objection are not recognized as alternatives to militaryservice.“ (Ofer Golany)

Der allgemeinen Wehrpflicht in Israel kann man sich kaum entziehen. Alternativen zum Dienst an der Waffe gibt es nur in Ausnahmefällen und so werden viele der israelischen Kriegsdienstverweigerer für ihre pazifistische Haltung inhaftiert.
Ofer Golany, jüdischer Musiker und Friedensaktivist, möchte an diesem Abend sein Konzept eines israelischen Zivildienstes vorstellen. Dabei soll auch die mögliche Rolle Deutschlands als Vorbild und kritischer Freund Israels diskutiert werden.
Im Umfeld des 20. Aprils, dem israelischen Unabhängigkeitstag, wird hier ein anderes, zukünftiges Bild Israels gezeichnet und der Blick auf die vorhandenen pazifistischen Kräfte gerichtet, die für eine zivile Gesellschaftsform und gegen den israelischen Militarismus eintreten.
Auch musikalisch tritt Ofer Golany für den Frieden ein, an diesem Abend wird er dabei von Alexander Meyen (Violine, Midi-Viola) begleitet.
Ofer Golany ist ein Songwriter aus Israel, er wohnt in Jerusalem.
Alexander Meyen ist ein Violinist aus Köln mit jüdischen Wurzeln, er hat mehrfach Israel bereist.

Eintritt 3,-€

 

 

 

Zweisprachige Lesung
und Gespräch



Sonntag, 25. April 2010, 13 Uhr

STIMMEN AFRIKAS
Fatou Diome - „Ketala“
(aus dem Französischen von Brigitte Große)

Wer ist die Frau, die zum Sterben nach Afrika zurückgekommen ist? Man weiß nichts von ihr. Ihre treuesten Begleiter, einige Habseligkeiten, drohen in Kürze in alle Winde zerstreut zu werden. Doch vor der Erbteilung bleiben den Möbeln noch sechs Nächte und fünf Tage, um einander die abenteuerliche Geschichte ihrer Besitzerin zu erzählen…

"Mit poetischen Bildern und viel Wortwitz bietet Fatou Diome sämtlichen Klischees über die afrikanische Lebensart die Stirn (...).“ 3Sat

"Fatou Diome (...) gewann mit ihrem Roman die Herzen aller, der KritikerInnen und des Publikums. Zu Recht. Ihre kecke Sprache, ihr süffisanter Ton, die ätzenden Bemerkungen, der ungehemmte Fluss der Rede und auch der kritisch-liebevolle Blick, den sie zwischen Afrika und Europa ungehemmt schweifen lässt, sind ebenso ungewöhnlich wie appetitanregend.“ Buchkultur

Geboren 1968 in dem senegalesischen Fischerdorf Niodior, lebt
Fatou Diome seit 1994 in Straßburg. Sie studierte Literaturwissenschaften und unterrichtete an der Universität. Ihr erster Roman "Der Bauch des Ozeans" hatte international großen Erfolg und wurde in Deutschland mit dem Literaturpreis ausgezeichnet.

Gefördert durch die „Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW“.



Eintritt 5,-€ (erm. 3,-€)

 

 

 

Vortrag und Diskussion

Severinstraße in der Kölner Südstadt

Freitag, 30. April, 20 Uhr

Staatenimmunität für deutsche Kriegsverbrechen?

Der Fall Deutschland gegen Italien vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag

mit Martin Klingner

Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag geht es in dem Verfahren „Bundesrepublik Deutschland vs. Republik Italien“ um die grundlegende Frage, ob von Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen Nazi-Deutschlands betroffene Menschen das Recht haben, direkt gegen Deutschland zu klagen und ihre Ansprüche gegen deutsches Staatseigentum – auch im Ausland – geltend zu machen.
Einer der zu verhandelnden Fälle betrifft das am 10. Juni 1944 von deutschen SS-Einheiten verübte Massaker an 218 Bewohnerinnen und Bewohnern des griechischen Dorfes Distomo. Klagen in Griechenland haben bereits im Jahr 2000 zu einem rechtskräftigen Entschädigungsurteil über 28 Millionen Euro geführt. Gezahlt wurde nichts.
Die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches will in Den Haag ihre Rechtsansicht durchgesetzt wissen, wonach sie durch die Staatenimmunität vor individuellen Entschädigungsansprüchen der Opfer der von Wehrmacht und SS-Polizeieinheiten verübten Massaker sowie der Verschleppung zur Zwangsarbeit geschützt sei.
Sollte Deutschland in Den Haag verlieren, wäre für die Überlebenden der NS-Verbrechen und die Angehörigen der Ermordeten der Weg frei, ihre Entschädigungsansprüche vor den Gerichten ihrer Herkunftsländer durchzusetzen. Das Verfahren hat aber auch für aktuelle kriegerische Auseinandersetzungen Bedeutung, in denen Zivilpersonen zu Schaden kommen, wie etwa in Ex-Jugoslawien oder in Afghanistan. Sollte Deutschland dagegen gewinnen, wären die zivilen Opfer von Kriegs- und Völkerrechtsverbrechen möglicherweise dauerhaft rechtlos gestellt.
Rechtsanwalt Martin Klingner berichtet über den Hintergrund des Verfahrens, über die politische Auseinandersetzung um die Entschädigungsfrage sowie über die Möglichkeiten praktischer Solidarität mit den Forderungen der Opfer der NS-Verbrechen.

RA Martin Klingner aus Hamburg vertritt derzeit die Familie Sfountouris aus Distomo in ihrem Entschädigungsverfahren und ist im Arbeitskreis Distomo aktiv.

Eintritt 3,- €

   

 

 

Texte, Musik, Filme

Dienstag, 4. Mai, 19 Uhr

HAITIAN FIGHT SONG
Haiti zwischen Revolution und Imperialismus

Texte, Musik, Filme — zusammengestellt und präsentiert von
Christian Frings, Felix Klopotek, Malte Meyer
und
Peter Scheiffele


Das Erdbeben vor der Küste von Port-au-Prince war eine Naturkatastrophe, seine Folgen sind eine soziale. Damit ist Haiti schlagartig ins Licht der Weltöffentlichkeit gerückt. Wieder einmal — denn die Republik war in den letzten zweihundert Jahren stets ein Objekt, bisweilen das »Lieblingsobjekt«, des westlichen Imperialismus. Es scheint, als müsse Haiti dafür büßen, dass seine Bewohner einst ganz dreist sich als Subjekte ihrer eigenen Geschichte begriffen: 1791 gipfelte die Rebellion der schwarzen Sklaven unter Toussaint L'Ouverture in eine Revolution — ein Ereignis, das in seinem Freiheitswillen und seiner Autonomie den Horizont der französischen Revolution noch überschritt.

In einer
Collage aus Bildern, Klängen und Texten vergegenwärtigen wir den Schock und das Emanzipationsversprechen dieser radikal-jakobinischen Revolution, die neo-kolonialistischen Reaktionen darauf, die seit zweihundert Jahren Land und Leute drangsalieren, wie die fortdauernden Revolten und Aufstandsbewegungen gegen diese Zerstörungen.

Eintritt: 6,- €
> gerne auch mehr - die gesamten Einnahmen werden an die Haiti-Arbeit von Medico International gespendet.

 

 

 

Vortrag und Diskussion

Freitag, 7. Mai, 20 Uhr

Russland- eine gelenkte Demokratie?

mit Prof. Dr. h.c. Angelika Nußberger

Wladimir Putin ist mit der Ankündigung angetreten, in Russland die Demokratie zu festigen. Tatsächlich wird das Land jedoch von einer Gruppe von Oligarchen beherrscht: Die Legislative führt eine Scheinexistenz und die Judikative reagiert als Marionette des Kremls. Die politische Opposition wird nach Belieben gesteuert oder gar ausgeschaltet und die Meinungsfreiheit wird zunehmend eingeschränkt. Legal oder illegal? Und inwiefern spiegeln sich diese politischen Strukturen in der Gesellschaft und im Alltag der Menschen wider? Der Vortrag soll Aufschluss darüber geben, wie im heutigen Russland regiert und wie dort mit Menschenrechten umgegangen wird. Vor allem soll auf die jüngsten Entwicklungen in Russland eingegangen werden. Von zentralem Interesse sind dabei im Umfeld des Verfassungsgerichts die Auseinandersetzung um die Unabhängigkeit der Richter und die Bedeutung der Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Russland.

Prof. Dr. h.c. Angelika Nußberger, Mitautorin des Buches „Das System Putin - Gelenkte Demokratie und politische Justiz in Russland“, ist Direktorin des Instituts für Ostrecht an der Universität zu Köln. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen neben anderen auf der Entwicklung des Verfassungsrechtsstaats in den Staaten Mittel- und Osteuropas und auf dem Einfluss des Völkerrechts auf die Rechtsentwicklung derselbigen.

Eintritt 3,- €

 

 

 

Vortrag und Diskussion


Donnerstag, 13. Mai, 20 Uhr

Chinas Wandel?

mit Shi Ming

Immer häufiger wird in China über Menschenrechte geredet und immer mehr Akteure treten dabei in Erscheinung. Wütende Menschen reisen aus allen Teilen Chinas nach Peking, um - den Repressalien zum Trotz - gegen die Willkür des Regimes zu protestieren. War bis 2005 in Peking eine kleine Ansammlung von Protestierenden bereits eine Sensation, finden heute alle paar Tage mitten im Zentrum von Peking Demonstrationen statt, an denen bis zu tausend Menschen teilnehmen.
Die Menschenrechtsdebatte ist zu einem wichtigen Punkt auf der politischen Agenda geworden und zieht sich inzwischen durch alle Schichten: Die Unterschicht prangert an, dass ihr Recht auf angemessene Ernährung nicht garantiert werde; die Mittelschicht beklagt, sie werde wie rechtloses Gesindel behandelt, wenn es um ihre Ansprüche auf öffentliche Informationen über Seuchengefahr oder Lebensmittelvergiftung geht. Die Oberschicht beteiligt sich unter anderem rege an der Debatte über die Abschaffung der Todesstrafe – zumindest in Bezug auf Wirtschaftsdelikte und Sexualverbrechen. Immer mehr Anwälte versuchen trotz Verwarnungen das Bestmögliche für ihre Mandanten vor Gericht herauszuholen. Sie schließen sich der breiten Bewegung für Menschenrechte an und haben sich dabei inzwischen sogar international Gehör verschafft.
Die Situation der Menschenrechte im heutigen China ist vielschichtiger geworden. Neben Meinungs- und Pressefreiheit werden auch Rechte im Arbeits- und Sozialbereich eingefordert und diskutiert.
Der Vortrag analysiert die aktuellen Entwicklungen und Debatten hinsichtlich ihrer Akteure und Hintergründe. Politik und Zivilgesellschaft werden in ihrer Haltung zu den Menschenrechtsverletzungen und der angestoßenen Debatte beleuchtet und bewertet.

Shi Ming
, in Peking geboren, ist freier Publizist und Journalist. Er arbeitet u.a. für die Deutsche Welle.

Eintritt 3,- €

   

 

 

Zweisprachige Lesung
und Gespräch


Sonntag, 16. Mai 2010, 13 Uhr

STIMMEN AFRIKAS
Samson Kambalu (Malawi) – "Jive Talker"
aus dem Englischen von Marließ Ruß

Sein Name bedeutet „Don’t worry be happy“. Ist das der Grund, weshalb der kleine Samson in einer Welt, wo hinter jeder Ecke Mambas, Malaria und Misere lauern, zu einem Teenager heranwächst, der Michael Jacksons Moonwalk perfekt beherrscht, Nietzsche mit Vorliebe auf dem Klo liest und sich mit zwölf seine eigene Religion ausdenkt? Oder liegt es an seinem unverbesserlichen Vater, dem Jive Talker? Der muss zwar seinen Traum, ein richtiger Doktor zu werden, gegen eine Anstellung als Hilfsarzt eintauschen, seinem Sprössling aber impft er einen nie versiegenden Optimismus und den Drang zum Philosophieren ein.
Der Debütroman „Jive Talker“ ist die sprühende Lebensgeschichte eines Jungen aus Malawi, der auszieht, Künstler zu werden. Mit seiner Leidenschaft für die Sprache und einem irrwitzigen Humor bewältigt er Höhen und Tiefen und beschert uns einen rasanten autobiografischen Roman.
Samson Kambalu, 1975 in Malawi geboren, erhielt ein Stipendium für die renommierte Kamuzu Academy und organisierte die erste Konzeptkunstausstellung in Malawi. Heute lebt er in London. Sein bekanntestes Kunstwerk, der „Holy Ball“, den er auch ins Kölner Allerweltshaus mitbringen wird, hüpfte seitdem von einem Erdteil zum andern.
Die Schauspielerin
Franziska Weber wird Auszüge aus dem Roman vorlesen. Der Journalist Ullrich Biermann wird das Gespräch moderieren.

Gefördert durch die „Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW“.



Eintritt 5,-€ (erm. 3,-€)

   

 

 

Vortrag und Diskussion

Freitag, 21. Mai, 20 Uhr

Haiti - vor und nach dem Erdbeben

mit Dr. med. Guillaume R. Sévère

Haiti wird häufig als Armenhaus der westlichen Welt bezeichnet. Von Stürmen und Erdbeben gepeinigt, von politischen Umbrüchen erschüttert und immer wieder durch internationale Interventionen gelenkt blickt Haiti auf eine bewegte und häufig folgenschwere Vergangenheit zurück.
Haiti hat als erster Staat die Sklaverei abgeschafft und wurde nach einem Sieg über die französischen Kolonialherren zur ersten schwarzen Republik der Welt. Zwischen 1802 und 1804 bereitete die haitianische Revolutionsarmee, unter der Führung zunächst von Toussaint-Louverture dann Jean-Jaques Dessalines, der damals stärksten Macht Europas eine vernichtende Niederlage. Eine daraufhin jahrelang anhaltende wirtschaftliche Blockade des jungen Staates durch Frankreich und später USA sowie die fortwährende Ablösung eines undemokratischen und korrupten politischen Regimes durch ein anderes führten das Land immer tiefer in die Krise. Die Folgen, durch regelmäßig auftretende Naturkatastrophen weiter zugespitzt, sind Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit.
Diese bereits seit langem bestehenden Probleme wurden am 12. Januar 2010 durch ein verheerendes Erdbeben, das gemessen an der Zahl der Opfer und dem Ausmaß der katastrophalen Zerstörung als stärkstes Erdbeben aller Zeiten gilt, weiter verschlimmert. Mehr als 220.000 Menschen starben, über eine Million wurden obdachlos, die Infrastruktur ist total zerstört. Für die Überlebenden des Erdbebens fing der Kampf um ihr Überleben jedoch gerade erst an. Die Versorgung mit Nahrung, Wasser und medizinischer Hilfe war völlig zusammengebrochen - Notunterkünfte konnten bisher nicht ausreichend zur Verfügung gestellt werden. International wurde zu Spenden aufgerufen. Nach der sofortigen Intervention der Haitianer, vor Ort durch Erste-Hilfe-Maßnahmen und Bergung der Verschütteten, meistens mit bloßen Händen, versuchten mehrere technisch besser ausgerüstete internationale Hilfsorganisationen die Not zu lindern, Verschüttete zu finden und Struktur in das verheerende Chaos zu bringen.
Wie ist die Lage Haitis fünf Monate nach dem vernichtenden Unglück?
Der Vortrag soll einen Überblick über die bewegte Geschichte Haitis geben, die derzeitige soziopolitische Situation der Bevölkerung darstellen und angestrebte Zukunftsperspektiven skizzieren.

Guillaume R. Sévère ist Arzt und kommt aus Haiti.

Eintritt 3,- €

 

 

 Stadtteilführung

Sonntag, 30. Mai, 14 Uhr

Stadteilführung in Ehrenfeld

mit Ralf Berger

Treffpunkt am Allerweltshaus in der Körnerstrasse 77-79

Am Beispiel Ehrenfelds werden unten stehende Themen angesprochen:

- die neue soziale Unterschicht in den Städten vor dem 1. Weltkrieg
- Geschichte der jüdischen Gemeinde
- Kolonialpolitik Deutschlands vor dem ersten Weltkrieg
- die sozialen und politischen Auseinandersetzungen in der Weimarer - Republik
- Sozialpolitik des Nationalsozialismus
- Verfolgung und Widerstand in den letzten Jahren der NS Herrschaft
- neue soziale Durchmischung in der Zeit nach 1970
- aktuelle Tendenzen der Stadtteilentwicklung

Die Führung wird 2,5 – 3 Stunden andauern. Anschließend gibt es noch Gelegenheit zum Gespräch über das Gehörte und das Gesehene bei Kaffee und Kuchen.

Beitrag 5 €, ermäßigt 3 €

   

 

 Vortrag und Diskussion

 

Freitag, 4. Juni, 20 Uhr

Nichts als Leid und Grausamkeiten?
Menschenrechte in Afrika


mit Franziska Ulm

In den 61 Jahren seit der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die UN-Generalversammlung 1948 fanden in Afrika tiefgreifende Umwälzungen statt. Mit der Entkolonialisierung und dem Ende der Apartheid in Südafrika gingen der Aufbau von Institutionen auf nationaler Ebene und zunehmende Rechtsstaatlichkeit einher. In vielen afrikanischen Staaten südlich der Sahara gibt es heute aktive Zivilgesellschafen und eine Vielzahl unabhängiger Medien.
Dennoch sind die Menschenrechte, die in der Allgemeinen Erklärung versprochen wurden, trotz bedeutender Fortschritte noch längst nicht für die gesamte Bevölkerung des afrikanischen Kontinents Realität. Mancherorts toben bewaffnete Konflikte, die von brutalen Menschenrechtsverstößen wie Folter, Vergewaltigung und Verstümmelung begleitet werden.
In einigen Staaten ist das Recht auf freie Meinungsäußerung stark eingeschränkt und Menschenrechtsverteidiger müssen Einschüchterungen und Schikanen erleiden. Frauen werden in nahezu allen Krisengebieten Opfer von Diskriminierung und systematischen Menschenrechtsverstößen. Darüber hinaus leben zahlreiche Menschen in einer Situation von Elend und Rechtlosigkeit - nur wenige haben überhaupt eine Chance, sich aus der Armut zu befreien. Sichtbarster Ausdruck dieser Armut sind die in allen afrikanischen Megastädten wachsenden Slums, deren Bewohner in der Regel von den Behörden als illegal betrachtet werden und somit schwersten Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind.

Der Vortragsabend setzt sich mit der aktuellen Menschenrechtslage auf dem afrikanischen Kontinent auseinander und vermittelt anhand mehrerer Beispiele Einblicke in sowohl positive als auch negative Entwicklungen. Ein besonderes Augenmerk soll auf die Situation in Slums gelegt werden.

Franziska Ulm, geboren 1983, studierte Politikwissenschaft an der Universität Potsdam. Bis Anfang des Jahres 2010 war sie bei Amnesty International Fachreferentin für Afrika, heute ist sie für den Bereich 'Slums und Zwangsräumungen' zuständig.

Eintritt 3,-€

   

 


Lesung
und Gespräch





Sonntag, 6. Juni 2010, 13 Uhr

STIMMEN AFRIKAS
Denis Goldberg:
"Der Auftrag - Ein Leben für die Freiheit in Südafrika"
aus dem Englischen von Birgit Morgenrath

Denis Goldberg verbrachte 22 Jahre als politischer Gefangener des südafrikansichen Apartheidregimes im Gefängnis. Der unverbesserliche Optimist erzählt in seiner Autobiografie eindringlich über sein mit dem Befreiungskampf verwobenes Leben und die menschlichen Seiten des oftmals schmerzhaften Weges in die Freiheit: über Liebe und Tod, Lebensfreude, politische Leidenschaft, Brüderlichkeit und Zwist unter Genossen, über eine unendlich lange Gefangenschaft.

Der 1933 als Sohn einer jüdisch-säkularen britischen Einwandererfamilie in Kapstadt geborene
Goldberg war einer der weißen Kämpfer gegen das Apartheidregime in Südafrika. Er schloss sich als junger Bauinginieur dem ANC und dem bewaffneten Arm der Befreiungsbewegung als technischer Offizier an.
Zusammen mit anderen Comrades wurde er 1963 verhaftet und mit Nelson Mandela wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt. Mitte der 80er Jahre wurde Goldberg nach schwierigen Verhandlungen freigelassen. Ungebrochen kämpfte er aus seinem Londoner Exil weiter für die Abschaffung der Apartheid. 2002 kehrte er nach Südafrika zurück.

Die Journalistin
Birgit Morgenrath, die das Buch aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet hat, wird das Gespräch moderieren.

In Zusammenarbeit mit
EXILE Kulturkoordination e.V.


Eintritt 5,-€ (erm. 3,-€)

 

 

Die WM im Allerweltshaus






Sonntag, 13.6.
DEUTSCHLAND - AUSTRALIEN


Mittwoch, 16.6.,
BAFANA BAFANA – URUGUAY


Donnerstag, 24.6.,
KAMERUN – NIEDERLANDE

Die WM im Allerweltshaus

Wir wollen
- mit euch Fußball gucken
- mit euch über gesellschaftliche Hintergründe der WM diskutieren
- mit euch das „community radio“ aus Tksane/Brakpan unterstützen

Wir zeigen drei Vorrundenspiele auf Leinwand im AWH.
Die Spiele beginnen jeweils um 20.30 Uhr.
Wir treffen uns jeweils um 18 Uhr.


Wir bekommen dann immer einen aktuellen Bericht von
Mike Mathabathe aus Tksane, einem schwarzen Township, ca. 40 km von Johannisburg entfernt, über die Stimmung bei den Anhängern von Bafana Bafana im Township und den aktuellen politischen Ereignissen im Lande im Zuge der WM.
Anschließend wollen wir eine kleine Diskussion über ein gesellschaftliches Thema im Zusammenhang mit der WM führen.

Wir verlangen jeweils
5 Euro Eintritt, damit wird zu 100% das community radio in Tksane unterstützt, damit sie für ca. 1000 Euro eine Lizenz zum regelmäßigem Senden kaufen können.
Auf unserer Homepage werden die Veranstaltungen inhaltlich ein wenig eingeführt und die Fragen zum Bericht aus Tksane beantwortet: Wie sieht es in Tksane aus? Warum unterstützen wir das community radio? Wer ist Mike Mathabathe?

Sonntag, 13.06., 18 Uhr

Bericht aus Tksane
Diskussion: Der globalisierte Fußball im nationalen Taumel – wer soll denn nun Weltmeister werden??
Mit nationalistischen und nichtnationalistischen Kölner „Fußballfachleuten“
20.30 Uhr aus Durban: DEUTSCHLAND - AUSTRALIEN

Mittwoch, 16.06., 18 Uhr
Bericht aus Tksane
Diskussion: Gewalt; Krise, AIDS – wohin treibt das freie Südafrika???

Mit Kennern und Kennerinnen des Landes aus Köln
20.30 Uhr aus Pretoria: BAFANA BAFANA – URUGUAY

Donnerstag, 24.06., 18 Uhr
Bericht aus Tksane
Diskussion: Fußballmigration von Afrika nach Europa – Traumfabrik oder moderner Sklavenhandel?

Mit Birgit Morgenrath, Rheinisches Journalistenbüro, die in Kamerun zum Thema recherchiert hat.
20.30 Uhr aus Cape Town die Entscheidung:
KAMERUN – NIEDERLANDE



Eintritt jeweils 5,- €

         

 
 

Vortrag

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Dienstag, 15. Juni, 20 Uhr

"Wir wollen nicht die Sklaven der Konzerne sein"

Bollywood, Informationstechnologie, das neue Billigauto Nano und
Berichte über das Eldorado für Geschäftsleute bestimmen heute das Bild von Indien. Dabei gerät schnell in Vergessenheit, dass noch mehr als die
Hälfte der 1,1 Milliarden Inder auf dem Lande und viele von der
Landwirtschaft leben. Für sie ist die Globalisierung kein Segen, sondern eine Plage. Über Gentechnik, Armut, Hunger, Stadtflucht, Selbstmord und
Widerstand der Landbevölkerung in Indien berichtet Gerhard Klas vom
Rheinischen JournalistInnenbüro.

Gerhard Klas, Journalist und Indienspezialist

In Zusammenarbeit mit de Deutsch-Indischen Gesellschaft Bonn-Köln e.V.

Eintritt 3,- €

         

 
 
 

Vortrag

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Donnerstag, 17. Juni, 19.30 Uhr

Indien: Ein Land der Gegensätze – Das Wirtschaftswachstum und seine Verlierer

Ursachen der Slumentwicklung und Lösungsansätze anhand der Projektarbeit der Andheri-Hilfe

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien ist mit Wachstumszahlen von jährlich 7-9% permanent in den Schlagzeilen und gilt als führend in Biotechnologie und in der Softwareproduktion. Doch es gibt auch eine Kehrseite: Große Teile der Bevölkerung sind vom Wirtschaftswachstum völlig ausgeschlossen oder sinken in eine noch tiefere Armut ab.

Etwa 40% der Gesamtbevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze!

Es wird die Situation der sogenannten Modernisierungsverlierer, die Ursachen der Landflucht und somit die Migration in die Slums der Großstädte dargestellt sowie die Problematik der Straßenkinder. Doch es gibt auch Lösungsansätze und Engagement vor Ort: Die Bedeutung lokaler Nicht-Regierungsorganisationen wird aufgezeigt und aus zwei Projekten der Andheri-Hilfe – eines im ländlichen Karnataka und ein zweites in den Slums von Chennai – berichtet.

Mit Heike Kluve, Indienreferentin der Andheri-Hilfe e.V., Bonn
 



20.30 Uhr:

Ländliche Lebensräume attraktiv erhalten: Ist der Lehmbau eine Lösung für die Looser?

Zu den Verlierern der wirtschaflichen Entwicklung Indiens zählen die Adivasis. Ihre Rückzugsgebiete in den Wäldern und entlegenen Regionen werden von rücksichtlosen Wirtschaftsunternehmen bedrängt, die auf der Suche nach Rohstoffen und Anbauflächen im Schulterschluss mit örtlichen Verwaltungen auch zu gewaltsamen Mitteln der Vertreibung greifen. Adivasis werden um ihr Land und ihre Produkte betrogen, ihre Kultur wird diskriminiert, ihre Rechte werden ignoriert.

Gibt es Chancen des Widerstands, der Verbesserung der materiellen Lage und des Erhalts der Kultur? Wir wagen mit dem indischen Partner Centre for Tribals and Rural Development einen Versuch in den Nilgiris-Bergen.

Mit Werner Wilkens, Leiter der DESWOS, Dt. Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V., Köln

Eintritt 3,- €

 
         

 
 

Vortrag und Diskussion

Freitag, 18. Juni, 20 Uhr

Deutsche Entwicklungspolitik – Ein endloses Unterfangen?

mit Prof. Dr. Uwe Andersen

Zum Thema Entwicklungspolitik gehen die Meinungen weltweit auseinander. Für Einige ist sie ein endloses Unterfangen ohne größere Erfolgsaussichten und für Andere ein Mittel um für mehr Gerechtigkeit auf der Erde zu sorgen, da wirtschaftlicher und technischer Fortschritt bis heute nur einem geringen Bevölkerungsanteil zukommt.
Besonders viele afrikanische Länder gehören zu den Verlierern der Globalisierung. Hier gehören Armut, Hunger, Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen in vielen Ländern und Regionen zum Alltag der Menschen. Auch die Folgen aus dem Klimawandel treffen diese Länder häufig am stärksten und gemessen an den von der UNO 2000 symbolträchtig beschlossenen Millenniumsentwicklungszielen liegen die meisten afrikanischen Länder weit zurück.
Die Fragen wie eine nachhaltige Entwicklungshilfe in Afrika aussehen kann und wo man ansetzen sollte, beschäftigen weltweit die Industrienationen. Auch die deutsche Politik diskutiert aktuell wieder über die „richtige“ Strategie. In dem Vortrag soll die Entstehung deutscher Entwicklungshilfe, deren Ziele, Aufgaben, Methoden und –zur Zeit besonders umstritten- Organisation am Beispiel des afrikanischen Kontinents verdeutlicht und kritisch beurteilt werden.

Uwe Andersen ist seit 1979 Professor für Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Er war Herausgeber der Bücher „Entwicklung in der Entwicklungspolitik“ und „Afrika. Verlorener Kontinent oder Hoffnung auf Renaissance?“

Eintritt 3,- €

         

 
 
         

Sa. 19.6., 19.30 h Film-Abend: „Water“ von Deepa Metha

(im Filmhaus)

 

Während der gesamten Woche im Filmhaus das Kunstprojekt „Shuttle“, Radierungen und Gedichte aus Kalkutta und Dresden, entstanden in Kooperation mit dem Goethe-Institut Kalkutta.

 
   

 

 Vortrag und Diskussion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Donnerstag, 08. Juli, 20 Uhr

David gegen Goliath oder eine Partnerschaft auf Augenhöhe?
Die Beziehungen zwischen der EU und Afrika

mit Dr. Sven Grimm

Der afrikanische Kontinent bleibt durch seine geographische Nähe zentral für Europas Außenbeziehungen. Hinsichtlich der immer wiederkehrenden Betonung des Partnerschaftsgedankens in den europäisch-afrikanischen Beziehungen stellt sich jedoch die Frage, ob eine Kooperation auf Augenhöhe überhaupt möglich ist. Zwar existieren heute deutlich mehr Demokratien und stärkere Zivilgesellschaften in Afrika, diese erleiden jedoch immer wieder Rückschläge. Darüber hinaus zeigt sich auch das Phänomen fragiler und gescheiterter Staaten und in weiten Teilen Afrikas herrscht extreme Armut.
Daher nimmt die Entwicklungszusammenarbeit zu und auch Akteure wie China und Indien machen zunehmend ihren Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent deutlich. Durch enorme Investitionen und Infrastrukturprojekte sichern sich diese Länder ihren Zugang zum afrikanischen Markt und zu wichtigen Rohstoffen.
Welche Veränderungen vollziehen sich sowohl in Afrika als auch in Europa? Was sind Themen einer Partnerschaft zwischen beiden Kontinenten. Handelt es sich bei der Rede von europäischen Interessen also nur um Eigeninteressen oder hat Europa ein ehrliches humanitäres Anliegen an Afrika? Welche Rolle spielen Afrikas natürliche Ressourcen (Öl und andere Rohstoffe) in den Beziehungen? Welche Rolle spielt die europäische Außenwirtschaftspolitik in Bezug auf Afrikas Entwicklung?

Dr. Sven Grimm arbeitet am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn. Er hat in Hamburg, Accra und Dakar studiert und 2003 zur Europäischen Afrikapolitik promoviert. Seine Publikationen beschäftigen sich mit den EU-Außenbeziehungen sowie der Regierungsführung in Afrika.

Eintritt 3,- €